Wanderung Grunewaldsee und Hundekehlesee

27. August 2026

Die beiden Seen gehören zur eiszeitlichen Grunewald-Seenkette, die mit dem Schlachtensee beginnt. Nach dem Schlachtensee und der angrenzenden Krummen Lanke wandern wir heute um diese Eiszeit-Seen.

Wanderung 9 Kilometer

Start an der Waldbaude an der Clayallee. Wir sind überrascht, wieviel Autos an dem Weg bis zum Chálet Suisse parken. Am Grunewaldsee wissen wir warum, es sind die Autos der vielen Hundebesitzer, die hierher, in das Hundeauslaufgebiet, gekommen sind.

Berlin hat die Wege im Grunewald gut ausgebaut, meistens sind es breite Forstwege, auf denen wir gehen. Zunächst bis zum Schloss Grunewald. Die Dächer der Wirtschaftsgebäude werden gerade neu gedeckt.

Das Jagdzeugmagazin erhält ein neues Dach

Die Wetterfahne glänzt im Sonnenlicht

In dem Wirtschaftsgebäude gegenüber dem Schloss richtete Friedrich der Große 1770 ein Jagdzeugmagazin ein. Er hatte im Gegensatz zu seinen Vor- und Nachfahren wenig Interesse an der Jagd und ließ Jagdwagen und Jagdutensilien aus verschiedenen Schlössern hier zusammentragen. Bis zur Auflösung des kaiserlichen Jagdreviers 1904 wurde das Magazin genutzt. Danach war es Pferdestall und Wagenremise. 1977 wurde eine Jagdsammlung eingerichtet.

Das Jagdschloss Grunewald ist Berlins ältester Schlossbau. Kurfürst Joachim II. von Brandenburg ließ das Schloss „Zum grünen Walde“ ab 1542 für seine Jagdaufenthalte bauen. Um zum Jagdschloss zu kommen, ließ der Kurfürst einen Knüppeldamm durch sumpfiges Gelände von seinem Stadtschloss aus anlegen. Es war der Vorläufer des Kurfürstendamm.

Für seine Hofkirche im Dominikanerkloster in der damals selbständigen Stadt Kölln (neben der Stadt Berlin) ließ er von Lukas Cranach einen Passions-Zyklus als Altaraufsatz malen. Neun Mitteltafeln sind noch erhalten und jetzt im Schloss Grunewald ausgestellt.

Ein weiteres Jagdschloss ließ Joachim II.  in Köpenick auf den Grundmauern einer früheren Burg bauen. Seine Bauten und seine aufwändige Hofhaltung führten zu hohen Schulden. Um seine Einnahmen zu erhöhen, ließ er ab 1539 wieder die Ansiedlung von (reichen) Juden in der Mark Brandenburg zu, die er mit hohen Steuern belegte.

Neben Schlossbesichtigungen organisiert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin/Brandenburg, die das Jagdschloss bewirtschaftet, ein umfangreiches kulturelles Angebot mit Konzerten und Aufführungen verschiedener Bühnen und freier Träger. Groß ist das Angebot an Märchenaufführungen für Kinder und Familien.

Es folgt der Hundekehlegraben im Hundekehlefenn. Es ist eine sumpfig-morastige Senke, zum Teil auch trockengefallen, zwischen dem Grunewaldsee und dem Hundekehlesee.

Hundekehlegraben

Wiese im Hundekehlefenn an der Königsallee

Der Wanderweg stößt auf die Königsallee, die wir überqueren. Die Königsallee verläuft etwa parallel zur AVUS durch den südwestlichen Teil des Grunewalds. Benannt ist sie nach dem Bankier Felix König, der Ende des 19. Jahrhunderts Mitbegründer der Villenkolonie Grunewald wurde.

Die Villenkolonie Grunewald wurde von der Kurfürstendamm-Gesellschaft entwickelt. Sie wurde 1882 zum Bau des Kurfürstendamms gegründet. Zur Finanzierung hatte die Gesellschaft ein Vorkaufsrecht über 234 Hektar Baugelände im Grunewald. An der Gesellschaft waren die Deutsche Bank und die Berliner Handelsgesellschaft (die später die BHF-Bank wurde) maßgeblich beteiligt. Einer der treibenden Kräfte hinter dem Ausbau des Kurfürstendamms war Reichskanzler von Bismarck. Er wollte für Berlin eine Prachtstraße, wie den Champs-Élysée in Paris, den er während der Gründung des Deutschen Kaiserreichs in Paris erlebt hatte.

Um die Villenkolonie zu entwickeln, musste zuvor der sumpfige Grunewald entwässert werden. Dazu wurden Dianasee, Koenigssee, Herthasee und Hubertussee östlich des bestehenden Grunewaldsee und des Hundekehlesee angelegt. Die Kurfürstendamm-Gesellschaft konnte die parzellierten Grundstücke mit hohem Gewinn verkaufen. Die Käufer der Parzellen zahlten in dem damalig selbständigen Charlottenburg viel niedrigere Kommunalsteuern als in Berlin.

Nach der Königsallee führt der Weg zum Hundekehlesee und an seinem Westufer bis zum Steffi-Graf-Tennisstadion. Der Name Hundekehle soll auf  den Begriff "Hundequelle" zurückgehen. Das war eine Sammelstelle für die Hundemeute bei Treibjagden.

Blick hinüber zum anderen Ufer

Das Tennisstadion wurde 1996 auf dem Gelände des Lawn-Tennis-Turnier-Clubs (lawn, engl. Rasen) gebaut und 2004 nach Steffi Graf benannt. Der Tennisclub wurde 1897 gegründet und ist einer der ältesten Tennisclubs in Deutschland. Steffi Graf ist mit 22 gewonnenen Grand-Slam-Turnieren (das sind die Australien Open, French Open, Wimbledon und die US Open) eine der erfolgreichsten Spielerinnen der Tennisgeschichte. Die German Open in Berlin hat sie mehrmals hintereinander gewonnen.

Steffi-Graf-Tennisstadion

Zurück gehen wir entlang der Bahntrasse und dann auf Forstwegen bis zur Königsallee. Wir gehen weiter auf der westlichen Seite des Hundekehlefenn und des Grunewaldsees bis zum Forsthaus Paulsborn.

Auf dem Rückweg sehen wir Schloss Grunewald
auf der anderen Uferseite

Born bedeutet im Mittelhochdeutschen eine Quelle oder einen Brunnen. Das soll aber nicht die Herkunft von Paulsborn sein. Vielmehr erwarb 1769 ein preußischer Offizier von Born das Grundstück am Grunewald und baute sich ein Anwesen, vielleicht auch nur eine Hütte. Das Anwesen kaufte 1802 der Jagdzeugwärter (angestellt im Jagdschloss Grunewald?) Johann Paul und eröffnete eine Gaststätte, die er Paulsborn nannte. 1846 kaufte der preußische Staat die Gaststätte für das Königliche Forstamt. Die Nutzung dauerte nicht lange, das Forstamt wurde nach Dahlem verlegt. Paulsborn wurde wieder eine Gaststätte und 1905 das heutige Gebäude errichtet.

Restaurant Forsthaus Paulsborn

In der Gastwirtschaft im Forsthaus Paulsborn, jetzt ein italienisches Restaurant, kehrten wir ein. Das Restaurant hatte eine geschlossene Gesellschaft, aber die Selbstbedienungsstände standen bereit. Kaffee und Kuchen waren gut, allerdings mit Papptellern und Pappbechern und von dem Niveau abweichend, mit ordentlichen Restaurantpreisen.

Von Paulsborn gehen wir zurück zum Jagdschloss und weiter zum Park-Weg hinter dem Chálet Suisse.


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Fahrradtour Umrundung Berlin

3. Teil: Mühlenbeck bis Staaken

25. August 2026

Der Berliner Mauerweg umrundet Westberlin auf dem ehemaligen Mauerstreifen der 1961 errichteten Sperrmauer zwischen Westberlin und der DDR sowie Ostberlins. Er umrundet den Westteil Berlins, die ehemaligen West-Sektoren der damals geteilten Stadt. Ich wollte die gesamte Stadt umfahren, auch den Ostteil Berlins 

Im letzten Jahr bin ich eine erste Teilstrecke von Lichterfelde-Süd bis nach Erkner gefahren. Die zweite Strecke war von Erkner bis Mühlenbeck im Norden Berlins. Jetzt starte ich in Mühlenbeck die dritte Teilstrecke, von Mühlenbeck bis Staaken im Westen der Stadt. 

Radtour um Berlin, 3. Teil,
53 Kilometer, insgesamt 190 Höhenmeter

Die Tour beginnt am S-Bahnhof Mühlenbeck. Beim Köppchensee südlich von Schildow stoße ich auf den Berliner Mauerweg. 

Mühlenbeck liegt am Tegeler Fließ, eine eiszeitliche Rinne bis zum Tegeler See. Im 13. Jahrhundert bewirtschafteten Mönche des Zisterzienserklosters Lehnin hier Ländereien. 1224 unterhielten sie einen Wirtschaftshof, um den herum sich Bauern ansiedelten. 

Um das Jahr 1230 herum bauten sie eine Wassermühle, für die sie das Wasser des Tegeler Fließ mit einem 100 Meter langen Damm anstauten, um eine Wasserfallhöhe von 4 Metern zu erreichen. Auf dem Damm verläuft die heutige Mönchmühlenallee. Die Feldsteinfundamente der Mühle unmittelbar am Damm sind heute noch erhalten. Das Mühlengebäude selbst erfuhr über die Jahrhunderte mehrfache Veränderungen. Bis 1973 wurde hier gemahlen. Zuletzt wurde das Gebäude 2011 saniert und teilweise erneuert. Seitdem unterhält ein Förderverein die Mühle und nutzt das Mühlenrad zur Stromerzeugung. 

Mönchsmühle

Der nächste Ort im Tal des Tegeler Fließ ist Schildow. 1476 erwirbt das Kloster Lehnin Schildow. Davor waren die Bauern lehenabgabepflichtig gegenüber den Nonnen des Klosters Spandau (dazu mehr bei der nächsten Tour) und einem Ritter zu Hoppenrade. 1505, also schon vor der Reformation und der darauffolgenden Säkularisierung der Klöster, kam Schildow in den Besitz des Kurfürsten von Brandenburg.

Landschaft bei Schildow

Hinter Schildow, in der Nähe des Köppchensees, komme ich auf den von Süden kommenden Berliner Mauerweg. Hier ist das Grenzdreieck des Westberliner Bezirks Reinickendorf und des Ostberliner Bezirks Pankow mit dem Land Brandenburg.

Berliner Mauerweg

Die Mauer-Grenze folgt dem Tegeler Fließ auf der südlichen Seite. Ich wähle einen Weg nördlich des Fließ und komme bei Glienicke/Nordbahn auf den eigentlichen Mauerweg.

Das Tegeler Fließ ist als Gletscher-Schmelzwasserrinne zum Ende der letzten Eiszeit (Weichseleiszeit vor mehr als 10.000 Jahren, wie viele andere Seen in Berlin) entstanden und mündet in den Tegeler See der Havel. Der Bau von Wassermühlen in  Mühlenbeck bei Schildow und in Tegel um das Jahr 1450 führte zu Aufstauungen des Wassers und dadurch  zu Vermoorungen. Im 19. Jahrhundert wurden Entwässerungsgräben angelegt um die Moorwiesen landwirtschaftlich besser nutzen zu können. Durch Torfabbau ist der Klöppchensee entstanden.

Sanddüne am Tegeler Fließ,
durch Sandverwehungen zum Ende der Eiszeit entstanden.

Moore werden erhalten oder wiederbelebt.

Gewöhnlicher Natternkopf
Der erinnert an Teneriffa. 
Dort sind der Blaue Natternkopf, die Tajinaste,
der Wegerichblättriger Natternkopf
und der Teide-Natternkopf heimisch.

Holzsteg durch das Moor

Südlich des Tegeler Fließ liegt der Westberliner Ortsteile Lübars. Im Norden ist auf Brandenburger Gebiet die Ortschaft Glienicke/Nordbahn.

Glienicke/Nordbahn in Brandenburg existierte als Glyneck Anfang des 15. Jahrhunderts und war Lehensbesitz des Brandenburgischen Kurfürsten. Der Zusatz „Nordbahn“ wurde wegen der Nähe zu der Ende des 19. Jahrhunderts gebauten Nordbahn, die Eisenbahnstrecke Berlin-Strahlsund, hinzugefügt.

Lübars gehört zum Berliner Bezirk Reinickendorf. Es ist, wohl Dank seiner Randlage, noch immer landwirtschaftlich geprägt und hat mit Alt-Lübars eine erhaltene Dorfstruktur. Das Dorf wurde im Zuge der deutschen Ostsiedlung als Angerdorf gegründet und gehörte dem Benediktinerinnenkloster Spandau. 1920 wurde Lübars im Zuge der Bildung von Groß-Berlin nach Berlin eingemeindet.

Hermsdorf gehört ebenfalls zum Bezirk Reinickendorf. Ende des 11. Jahrhundert entstand eine slawische Siedlung am Tegeler Fließ. Ab 1230 bestimmten zugezogene deutsche Siedler den Dorfcharakter. In dieser Zeit entstand wahrscheinlich auch eine erste Holzkirche, deren Spuren man bei Ausgrabungen fand. Damals hieß der Ort „Hermanstorp“ (so im Landbuch Karls IV. erwähnt).

Die Grenze und der Mauerweg verlassen das Tegeler Fließ südlich von Glienicke/Nordbahn und verlaufen in nord-westlicher Richtung hin zur Oranieburger Chaussee. Der ehemalige Mauerstreifen ist hier kaum zu erkennen. Nach 1991 wurden wurden die Flächen des Grenzstreifens privatisiert und zur Bebauung freigegeben.

Der ehemalige Mauerstreifen wurde überbaut

Die Grenze verläuft westlich und östlich der Oranienburger Chaussee (B 96) nach Norden (ich fahre entlang der Oranienburger Chaussee). Zu Beginn hat die Grenze eine keilförmige Erweiterung nach Westen, so dass ein Geländedreieck Brandenburger Gebiet nach Westberlin hineinragte, der sogen. „Entenschnabel“. Dass die DDR-Grenzsicherung nicht in voller Breite möglich war, durften nur „zuverlässige“ Bürger in dem schmalen Dreieck wohnen.

Erinnerung an den "Entenschnabel"

Damit sollten Fluchtversuche mit Hilfe von Fluchttunneln verhindert werden. Vom Entenschnabel aus gab es auch keine Tunnel. Aber gleich in der Nähe, auf der östlichen Seite der Bundesstraße wurde 1963 ein Tunnel erfolgreich gegraben (Agaard-Tunnel). 13 Menschen konnten darin in den Westen fliehen. Insgesamt soll es 70 bis 80 Fluchttunnelprojekte während der deutschen Teilung gegeben haben. Nicht alle waren erfolgreich.

Erinnerung an den Agaard-Tunnel

Es folgt der nördlichste See Berlins, der Hubertussee bei Frohnau. Er entstand bei der Entwicklung der Gartenstadt Frohnau.

Hubertussee

Wege-Typen

Frohnau liegt westlich der B 96, östlich ist Glienicke/Nordbahn. Frohnau lag in Estberlin, Glienicke/Nordbahn gehörte zu Ostberlin. Frohnau wurde ab 1905 als Villen- und Landhaussiedlung durch den Industriellen Fürst Henckel von Donnersmark entwickelt. Dazu erwarb er große Flächen der Stolper Heide. Der erste Weltkrieg verhinderte den geplanten Ausbau der Siedlung bis zum Hubertussee.

Vor Hohen Neuendorf („Hohen“ Neuendorf zur Unterscheidung von „Nieder“ Neuendorf bei Hennigsdorf) quert die Radstrecke (und die damalige Grenzmauer) die S-Bahn Gleise nach Oranienburg und verläuft dann wieder nach Süden. Frohnau wird quasi umrundet.  Hohen Neuendorf ist erst durch den Bau der Nordbahn  Ende des 19. Jahrhunderts von einem kleinen Dorf zu einer Stadt gewachsen.

An der Bahnstrecke befindet sich die sogen. Invalidensiedlung. Sie war vor der Wiedervereinigung durch die Grenzmauer und die Bahn-Trasse abgesperrt und hatte nur über eine Straße nach Frohnau Verbindung zu Westberlin. Entstanden ist die Invalidensiedlung 1938 durch die Wehrmacht. Sie errichtet dort eine Wohnsiedlung als Ersatz für die Insassen des Invalidenhauses an der Invalidenstraße in Berlin, in das die Militärärztliche Akademie einzog.

Es wurden 49 Häuser mit 180 Wohnungen, die teilweise Rollstuhlrampen und breitere Türen erhielten,  in einer parkähnlichen Grünanlage gebaut

Eines der Häuser
Alle Häuser erhielten Steinwappen über den Eingängen, 
die an, die an preußische Regimenter und Standorte erinnerten.

Denkmal für Wilhelm Staehle in der Invalidensiedlung.
Er war der letzte Kommandante des Berliner Invalidenhauses
und wurde 1945 als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime ermordet.
Seine Frau, Hildegard Staehle, überlebte das KZ Ravensbrück und war nach dem Krieg Mitbegründerin der Berliner CDU.

Das Invalidenhaus war 1748 auf Initiative des Preußischen Königs für Kriegsinvaliden errichtet worden. Es war eine der ältesten Einrichtungen der Kriegsopferfürsorge im deutschsprachigen Raum. Auch verheiratete Soldaten konnten dort mit ihren Frauen wohnen. Es hatte umfangreichen Landbesitz zur Selbstversorgung.

An der Grenze südlich von Hohen Neuendorf
Die Flächen im ehemaligen Sperrgebiet werden von den Berliner Stadtgütern bewirtschaftet, die hier eine abwechselungsreiche Landschaft gestalten.

Die Grenzlinie umgeht Frohnau und schwenkt dann nach Westen durch die Stolper Heide Richtung Havel ab. Die Grenze verläuft ab hier in der Mitte der Havel nach Süden bis zur Höhe Konradshöhe am östlichen Ufer. Auf Westberliner Gebiet liegen die zum Bezirk Reinickendorf gehörenden Ortschaften Heiligensee. Konradshöhe und Tegelort. Westlich der Havel befindet sich die Brandenburger Stadt Henningsdorf.

Die Havel bei Henningsdorf

Henningsdorf wird als Fischer- und Bauerndorf 1375 im Landbuch der Mark Brandenburg (Kaiser Karl IV. übernahm die Markgrafschaft Brandenburg und ließ seinen neuen Besitz erfassen) als Heynekendorp und Henekendorf  (Dorf des Heyneke oder Heneke) aufgeführt. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die industrielle Entwicklung. 1910 eröffnete die AEG ihre Abteilung Flugzeugbau. Zu Beginn des 1. Weltkriegs verlegte die AEG außerdem den Bau von Elektrolokomotiven von Berlin nach Henningsdorf. Die AEG bekam den Schienenfahrzeugbau nach der Wiedervereinigung zurück. Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört das Werk jetzt zum französische Alstom-Konzern. Die neuen Straßenbahnen Berlins kommen aus dem Hennigsdorfer Alstom-Werk.

Hier standen einmal die AEG-Hallen des Lokomotivbaus.
Ab den 1990er Jahren entstand hier ein Technologiezentrum.
Inzwischen ist es das Innovationsforum, gelegentlich als "Blaues Wunder" wegen seiner blauen Glasfassaden bezeichnet.

Geblieben ist die der Klinkerbau der ehemaligne AEG-Feuerwache von 1917. Damals wurde die Freuwillig Feuerwehr in eine Berufsfeuerwehr umgewandelt.

Der Mauerweg verläuft auf der westlichen Seite des Oder-Havel-Kanals und dann der Havel, vorbei an den Werksanlagen von Alstrom.

Das Denkmal ist geblieben, 
an der "Brücke der Deutsch Sowjetischen Freundschaft"
über den "Kanal des Friedens".
Der 34 Kilometer lange Kanal wurde 1951/52 zur Umfahrung Westberlins gebaut, von der Havel in Nieder Neuendorf bis zur Havel  in der Nähe von Schloss Praretz.

Die Havel bei Nieder Neuendorf

Grenzturm Nieder Neuendorf

Gegenüber Konradshöhe verlässt die Grenze die Havel in westlicher Richtung und umgeht den Spandauer Forst. Die westliche Spitze des Spandauer Forstes ist das Gebiet Eiskeller.

Gedenkstätte in Schönwalde
Die Berliner Allee wird die Schönwalder Allee,
Der Eiskellerweg zweigt hier ab.

In Eiskeller werden im Winter deutlich niedrigere Temperaturen als im Berliner Stadtgebiet gemessen werden. Im Sommer kann es wärmer als in der Umgebung werden. Auf den Berliner Wetterkarten werden immer auch die Temperaturen in Eiskeller angegeben. Der Name Eiskeller, ursprünglich hieß das Gebiet Kienhorst oder Teufelsbruchwiese, erhielt das Gebiet, weil dort im Winter Eis aus dem Falkenhagener See gelagert wurde, das an Brauereien zur Kühlung verkauft wurde.

Am Eiskellerweg

Die Kuhlake im Spandauer Forst
Die Kuhlake ist einer der Gräben, die zunächst zur Entwäserung
angelegt wurden und jetzt der Bewässerung dienen.
Im 18. Jahrhundert wurde der vermoorte Spandauer Forst durch ein Kanalsystem entwässert, nachdem Mitte des 13. Jahrhunderts die Havel für das Betreiben von Wassermühlen gestaut wurde (in der gleichen Zeit wurde das Tegeler Fließ aufgestaut).  
Durch die Entnahme von Wasser des Spandauer Wasserwerks sank der Grundwasserspiegel 1955 dann so stark, dass ab den 1960er Jahren Wasser aus der Havel in die Entwässerungsgräben gepumpt wird.

Der weitere Grenzverlauf ist zwischen der Brandenburger Stadt Falkensee und dem Ortsteil Staaken des Westberliner Bezirks Spandau.

Vor Neustaaken

Staaken besteht aus dem historischen Dorf mit der Dorfkirche Alt-Staaken, der 1914 bis 1917 gebauten Wohnungs-genossenchaftsiedlung Gartenstadt Staaken nördlich des Dorfes, Neustaaken mit der in den 1970er Jahren errichtete Großsiedlung Heerstraße-Nord (u.a. mit der Obstallee-Siedlung der GSW), die 1925 fertiggestellte Siedlung Neu-Jerusalem für Angehörige der damaligen Fliegerakademie und des Luftschiffhafens Staaken und der Siedlung Hahneberg nahe dem Fort Hahneberg.

Erinnerung an die Grenze an der Spandauer Straße/Falkenseer Chaussee

Bei Staaken verläuft die Mauer-Grenze nicht entsprechend dem Grenzverlauf zwischen Brandenburg und Berlin um Staaken herum. Die Berliner Mauer wurde 1961 mitten durch Staaken errichtet und trennte Staaken in einen Ost- und einen Westteil. Die Grenze war der Finkenkruger Weg/Bergstraße. Der Westteil war DDR-Gebiet, der Ostteil gehörte zu Westberlin.

West-Staaken kam 1945 abweichend von der Berliner Stadtgrenze zum sowjetisch besetzen Gebiet. Der Grund war ein Gebietstausch mit der britischen Besatzungsmacht. Die brauchte in Gatow Flächen in der sowjetischen Zone für die Flugschneise ihres Flugplatzes. Dafür erhielten die Sowjets West-Staaken. Zunächst wurde West-Staaken weiter vom Spandauer Rathaus verwaltet. Die Bewohner konnten 1950 auch an den Wahlen zum West-Berliner Abgeordnetenhaus teilnehmen. Erst 1951 besetzte die DDR-Volkpolizei den Stadtteil und die Verwaltung wurde der Brandenburger Gemeinde Falkensee übertragen.


Finkenkruger Weg in Staaken
Die Häuser links der Straße gehöreten zu Westberlin.
Gegenüber war das Ostberliner Sperrgebiet, 
auf dem jetzt Einfamilienhäuser stehen.

Ich fahre den Mauerweg entlang des Finkenkruger Wegs, vorbei an der Erinnerungstafel für die abgerissene Franziskuskirche. Die Kirche der Gartenstadt Staaken lag im Sperrgebiet der Innerdeutschen Grenze, ab 1953 durften Gläubige des Ostteils der Gartenstadt die Kirche nicht mehr besuchen. 1988, also kurz vor der Wiedervereinigung, wurde sie von den DDR-Behörden abgerissen.

Anders erging es der weiter südlich im Grenzgebiet liegenden Dorfkirche Alt-Staaken, die um 1440 herum errichtet wurde. Hier wurde nur das Pfarrhaus abgerissen. Die Kirche durfte, obwohl im Sperrgebiet gelegen, bestehen bleiben und auch als Kirche genutzt werden. Allerdings durften nur in West-Staaken polizeilich gemeldete Kirchenmitglieder die Kirche betreten.

Dorfkirche Alt Staaken

Die Dorfkirche erhielt ihre jetzige Form 1837 mit einer klassizistischen Umgestaltung und Erhöhung der Mauern des Kirchenschiffs. Der Ursprung des Kirchenbaus reicht bis in die 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Damals wurde nach einem Dorfbrand die Kirche aus Feldsteinen errichtet. Eine erste Kirche muss schon Anfang des 14. Jahrhunderts bestanden haben, da Staaken als Pfarrdorf bezeichnet wird, ein Dorf mit einer Kirche. Landbesitz in Staaken hatte seit 1273 das Benediktinerinnenkloster Spandau.

Neben der Kirche:
Gegensätzliche Erinnerungen
an Kaiser und König
und an die Rote Armee


An der Dorfkirche beende ich den dritten Abschnitt meiner Berlin-Umfahrung. Auf dem Brunsbütteler Damm fahre ich bis zum Spandau und dann mit der S-Bahn weiter.


🔄Link zum 1. Abschnitt: Lichterfelde-Süd bis Erkner 

🔄Link zum 2. Abschnitt: Erkner bis Mühlenbeck 


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Rhodt unter Rietburg

2. bis 6. August 2026

Wie jedes Jahr haben wir uns wieder in Rhodt unter Rietburg getroffen. Wir, das ist der Freundeskreis aus Teneriffa, diesmal Marianne und Bert, Ruth und Jürgen, Maria, Uschi und ich. Unsere Unterkunft war wie immer der Winzerhof von Ulrike Krieger und Barbara Krapp.

Rosenstock vor Weinreben am Winzerhof Krieger

Rosen dienten im Weinberg als Warner vor Mehltau. Sie sind anfälliger gegen Mehltau und zeigen den Befall an, bevor er an den Weinreben auftritt. Die Winzer konnten so die Reben  rechtzeitig behandeln.

Unsere Aktivitäten waren in diesem Jahr stark eingeschränkt. Wie überall in Deutschland war es auch in der Pfalz etwas zu warm. Eine einzige kleine Wanderung – außer den Spaziergängen im Ort – haben wir geschafft. Mit der Seilbahn sind wir hinauf zur Rietburg gefahren und von dort den Berg hinunter bis zur Talstation der Rietburgbahn gewandert.

Statt einer weiteren Wanderung sind wir einen Tag nach Freinsheim gefahren. Freinsheim ist ein kleines Städtchen in der Nähe von Bad Dürkheim mit einer fast vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer, die die historische Altstadt umschließt.


Eingekehrt sind wir abends (in der Reihenfolge unserer Bewertung):

Landrestaurant Burrweiler Mühle im Modenbachtal westlich von Hainfeld. In dem großen Restaurantgarten sitzt man sehr gut und das Essen ist hervorragend. Ich habe natürlich wie alle Jahre Pfälzer Saumagen gegessen.

Pfälzer Hof in Edenkoben. Hier waren wir zum ersten Mal, eine Empfehlung von Frau Krieger. Das Essen war auch hier hervorragend. Mein Pfälzer Saumagen (ich wollte ihn vergleichen) war sogar noch besser, saftiger, als der in der Burrweiler Mühle und das will was heißen.

Gasthaus Alter Kastanienhof in Rhodt. Einmal gehen wir bei unserem Rhodt-Treffen hierhin. Das Essen ist sehr gut. Meistens sitzen wir im Restaurantgarten unter Weinreben.

Weinstube Alte Schmiede in Rhodt. Auch hier haben wir gut gegessen. Aber das Gasthaus zur Sonne haben wir etwas besser in Erinnerung. Die Reservierung hatte leider nicht geklappt, der Wirt meinte bei der Anfrage, es sei wegen Urlaub geschlossen; der begann aber eine Woche später. 


Unsere Wanderung

Eine halbe Stunde Fußweg von unserem Quartier in Rhodt entfernt ist die Talstation der Rietburgbahn. Diesmal haben wir aber für den Weg unsere Autos genommen (der Hitze wegen). Der Sessellift bringt uns gut 200 Meter höher hinauf auf die Bergstation neben der Ruine der Rietburg. Sie steht am Hang des Blättersbergs im Mittelgebirgszug Haardt des Pfälzerwalds. 

Burgruine Rietburg mit der Trasse der Rietburgbahn,
im Vordergrund die Villa Ludwigshöhe.

Die Rietburg wurde in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts von einem Konrad von Rietberg errichtet. Er war Lehensmann des Bischofs von Speyer. Die Burg wurde Mitte des 13. Jahrhunderts zerstört. Die Rietbergs hatten die Frau des römisch-deutschen Königs Wilhelm von Holland, die aus dem Welfenhaus Braunschweig-Lüneburg stammte, bei einer Durchreise entführt und auf der Rietburg als Geisel gefangen gehalten. Bei der Befreiung erlitt die Burg schwere Schäden.  Später wurde eine neue Burg errichtet. Durch kriegerische Auseinandersetzungen verfiel diese Burg und war zum Ende des Dreißigjährigen Krieges nicht mehr bewohnbar.

Blick von der Rietburgbahn-Bergstation 

1822 erwarb die Gemeinde Rhodt die Reste der Burg und den umliegenden Wald. 50 Jahre später wurde in der Burgruine ein Schatz von 580 Gold- und Silbermünzen aus dem 16. Jahrhunderts gefunden. Zu der Zeit hatten die Bewohner der umliegenden Orte Lebensmittel und Geld auf der Burg in Sicherheit gebracht, die von dem Grafen von Leiningen geplündert wurde. Der Münzschatz ist damals nicht entdeckt worden. Die Münzen befinden sich jetzt im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.

Zurzeit wird die Burgruine für mehr als 1 Million EUR gesichert und saniert. 

Die Gaststätte Rietburg hat trotz der Bauarbeiten geöffnet. Sie ist in einem Teil der Burgruine und mit ihr auf einer Höhe von über 500 Metern. Die Burg bzw. ihre Ruine ist eine der am höchsten gelegenen Burgen in der Pfalz und die Gaststätte damit auch. Deswegen nennt sie sich „Höhengaststätte“. Wir kehren hier zunächst ein, obwohl unsere Wanderung noch gar nicht begonnen hat. Aber auf unserer Wanderung den Berg hinab gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Darum haben wir das schon einmal vorgezogen. 

So gestärkt können wir auch das kleine Stück bergauf in Richtung der Bergkuppe des Blättersberg gut bewältigen (wir bleiben natürlich unterhalb der 618 Höhenmeter). Dann geht es auf breiteren und schmaleren Forstwegen, es war auch ein schmaler Pfad dabei, hinunter zur Talstation der Rietbergbahn. Der Weg war gut gewählt, an vielen Stellen waren die Brombeeren reif. Nur bei den Heidelbeeren sahen wir lediglich die grünen Sträucher. 

Weg durch den Pfälzer Wald

Wanderung 4,4 Kilometer
70 Meter Aufstieg - 280 Meter Abstieg

Wir waren dann rechtzeitig zur Kaffee-Zeit wieder in Rhodt. Im Café Ludwig I. an der Theresienstraße gibt es leckeren Kuchen und gutes Eis. 

Unser Ausflug

Angelika und Andreas hatten uns den Tipp gegeben. Ganz in der Nähe von Rhodt (35 Kilometer) sei ein hübsches, kleines, mittelalterliches Städtchen zu besichtigen, Freinsheim. 

Wir gehen durch das Haintor in die Stadt,
eines der beiden Stadttore aus dem 15. Jahrhundert.

Das Äußere Eisentor

Es ist der zweite Zugang zur Stadt.
Die Toranlage hatte ein äußeres Vortor und das Innere Tor.
Dem Inneren Tor aus dem 15. Jahrhundert wurde ein Jahrhundert später ein Vortor hinzugefügt.

Inneres Eisentor

Freinsheim ist eine Kleinstadt mit 5.000 Einwohnern im Landkreis Bad Dürkheim. Zur Stadt wurde Freinsheim erst 1979 wegen seiner historischen Bedeutung durch den Ministerpräsidenten Bernhard Vogel befördert. Davor war der Ort schon zweimal eine Stadt, aber immer nur für etwa 50 Jahre. Das war um 1500 so, als Freisheim die Marktrechte bekam, und dann noch einmal bevor die Pfalz 1794 französisch wurde. 

Im 1. Jahrtausend gehörte Freinsheim teilweise dem Kloster Weißenburg im Elsass und ab dem Jahr 985 dem Salier Herzog Otto I. von Kärnten und Herzog von Worms. Otto I. musste das Herzogtum Kärnten abgeben und erhielt dafür als Ersatz Besitztümer des Elsässer Klosters Weißenburg. Es war ein Kloster im Eigentum des Bischofs von Speyer. Neben Freinsheim kamen so weitere 67 Besitzungen an die Salier, z.B. auch Mutterstadt, Mußbach, Oggersheim, Kallstadt, Iggelheim. In die Geschichte ist das als Salischer Kirchenraub eingegangen.

Im 15. Jahrhundert kam Freinsheim zur Kurpfalz. Die Stadtbefestigung wurde ausgebaut. Das letzte Stadttor, das sogen. Eisentor (äußeres Tor), wurde 1514 fertiggestellt. Im Pfälzer Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) wurde Freinsheim weitgehend zerstört und Anfang des 18. Jahrhunderts wiederaufgebaut. 

Rathaus aus dem 18. Jahrhundert.
Davor war dort der Verwaltungssitz des kurpfälzischen Unteramtes.

Protestantissche Kirche aus dem 15. Jahrhundert,
im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zerstört wiederaufgebaut.

Der pfälzische Kurfürst führte 1556 die lutherische Reformation in der Pfalz ein. 1685 kam die Pfalz an eine katholische Linie der Wittelsbacher, die die Wiedereinführung des Katholizismus förderte. Protestantische Kirchen durften auch von Katholiken gentzt werden. Auf Druck Preußens, das sich als Schutzmacht der Protestanten fühlte, kam es 1705 zur Kirchenaufteilung. Pfarrhäuser und Schulen wurden zwischen Protestanten und Katholiken aufgeteilt. Die Freinsheimer Kirche wurde protestantisch. Einige Kirchen wurden durch eine Mauer aufgeteilt. Beispiel hierfür ist die Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße.

Tür zur katholischen Kirche St. Peter und Paul

1771/73 erhielten die Katholiken in Freinsheim wieder eine Kirche. Schon vorher, 1746, gab es einen katholischen Pfarrer. Freinsheim war ein Unteramt des (katholischen) Kurfürstentums geworden und katholische Beamte kamen nach Freinsheim. Gottesdienst wurden in einem Saal des Karmeliterklosters abgehalten.

Das ehemalige Karmelitenkloster.
1805 erwarb eine Familie Retzer das Anwesen (Retzer-Haus).

Die Kurpfalz war ein Fürstentum mit mehreren nicht zusammenhängenden Gebieten. Die Hauptstadt waren erst Heidelberg und dann Mannheim. Regiert wurden sie von einer Wittelsbach-Linie. 1777 erbte der Pfälzer Kurfürst nach dem Aussterben der bayrischen Linie der Wittelsbacher das Kurfürstentum Bayern. Bayern und die Pfalz wurden zusammen von München aus regiert. 

Eindrücke:









Heute zählt Freinsheim zu den großen Weinbaugemeinden der Pfalz.


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