Rhodt unter Rietburg

2. bis 6. August 2026

Wie jedes Jahr haben wir uns wieder in Rhodt unter Rietburg getroffen. Wir, das ist der Freundeskreis aus Teneriffa, diesmal Marianne und Bert, Ruth und Jürgen, Maria, Uschi und ich. Unsere Unterkunft war wie immer der Winzerhof von Ulrike Krieger und Barbara Krapp.

Rosenstock vor Weinreben am Winzerhof Krieger

Rosen dienten im Weinberg als Warner vor Mehltau. Sie sind anfälliger gegen Mehltau und zeigen den Befall an, bevor er an den Weinreben auftritt. Die Winzer konnten so die Reben  rechtzeitig behandeln.

Unsere Aktivitäten waren in diesem Jahr stark eingeschränkt. Wie überall in Deutschland war es auch in der Pfalz etwas zu warm. Eine einzige kleine Wanderung – außer den Spaziergängen im Ort – haben wir geschafft. Mit der Seilbahn sind wir hinauf zur Rietburg gefahren und von dort den Berg hinunter bis zur Talstation der Rietburgbahn gewandert.

Statt einer weiteren Wanderung sind wir einen Tag nach Freinsheim gefahren. Freinsheim ist ein kleines Städtchen in der Nähe von Bad Dürkheim mit einer fast vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer, die die historische Altstadt umschließt.


Eingekehrt sind wir abends (in der Reihenfolge unserer Bewertung):

Landrestaurant Burrweiler Mühle im Modenbachtal westlich von Hainfeld. In dem großen Restaurantgarten sitzt man sehr gut und das Essen ist hervorragend. Ich habe natürlich wie alle Jahre Pfälzer Saumagen gegessen.

Pfälzer Hof in Edenkoben. Hier waren wir zum ersten Mal, eine Empfehlung von Frau Krieger. Das Essen war auch hier hervorragend. Mein Pfälzer Saumagen (ich wollte ihn vergleichen) war sogar noch besser, saftiger, als der in der Burrweiler Mühle und das will was heißen.

Gasthaus Alter Kastanienhof in Rhodt. Einmal gehen wir bei unserem Rhodt-Treffen hierhin. Das Essen ist sehr gut. Meistens sitzen wir im Restaurantgarten unter Weinreben.

Weinstube Alte Schmiede in Rhodt. Auch hier haben wir gut gegessen. Aber das Gasthaus zur Sonne haben wir etwas besser in Erinnerung. Die Reservierung hatte leider nicht geklappt, der Wirt meinte bei der Anfrage, es sei wegen Urlaub geschlossen; der begann aber eine Woche später. 


Unsere Wanderung

Eine halbe Stunde Fußweg von unserem Quartier in Rhodt entfernt ist die Talstation der Rietburgbahn. Diesmal sind wir aber für den Weg unsere Autos genommen (der Hitze wegen). Der Sessellift bringt uns gut 200 Meter höher hinauf auf die Bergstation neben der Ruine der Rietburg. Sie steht am Hang des Blättersbergs im Mittelgebirgszug Haardt des Pfälzerwalds. 

Burgruine Rietburg mit der Trasse der Rietburgbahn,
im Vordergrund die Villa Ludwigshöhe.

Die Rietburg wurde in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts von einem Konrad von Rietberg errichtet. Er war Lehensmann des Bischofs von Speyer. Die Burg wurde Mitte des 13. Jahrhundert zerstört. Die Rietbergs hatten die Frau des römisch-deutschen Königs Wilhelm von Holland, die aus dem Welfenhaus Braunschweig-Lüneburg stammte, bei einer Durchreise entführt und auf der Rietburg als Geisel gefangen gehalten. Später wurde eine neue Burg errichtet. Durch kriegerische Auseinandersetzungen zerfiel die Burg und war zum Ende des Dreißigjährigen Krieges nicht mehr bewohnbar.

Blick von der Rietburgbahn-Bergstation 

1822 erwarb die Gemeinde Rhodt die Reste der Burg und den umliegenden Wald. 50 Jahre später wurde in der Burgruine ein Schatz von 580 Gold- und Silbermünzen aus dem 16. Jahrhunderts entdeckt. Damals hatten die Bewohner der umliegenden Orte Lebensmittel und Geld auf der Burg in Sicherheit gebracht, die von dem Grafen von Leiningen geplündert wurde. Der Münzschatz ist damals nicht entdeckt worden.

Zurzeit wird die Burgruine für mehr als 1 Million EUR gesichert und saniert. 

Die Gaststätte Rietburg hat trotz der Bauarbeiten geöffnet. Sie ist in einem Teil der Burgruine und mit ihr auf einer Höhe von über 500 Metern. Die Burg bzw. ihre Ruine ist eine der am höchsten gelegenen Burgen in der Pfalz und die Gaststätte damit auch. Deswegen nennt sie sich auch „Höhengaststätte“. Wir kehren hier zunächst ein, obwohl unsere Wanderung noch gar nicht begonnen hat. Aber auf unserer Wanderung den Berg hinab gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Darum haben wir das schon einmal vorgezogen. 

So gestärkt können wir auch das kleine Stück bergauf in Richtung der Bergkuppe des Blättersberg gut bewältigen (wir bleiben natürlich unterhalb der 618 Höhenmeter). Dann geht es auf breiteren und schmaleren Forstwegen, es war auch ein schmaler Pfad dabei, hinunter zur Talstation der Rietbergbahn. Der Weg war gut gewählt, an vielen Stellen waren die Brombeeren reif. Nur bei den Heidelbeeren sahen wir lediglich die grünen Sträucher. 

Weg durch den Pfälzer Wald

Wanderung 4,4 Kilometer
70 Meter Aufstieg - 280 Meter Abstieg

Wir waren dann rechtzeitig zur Kaffee-Zeit wieder in Rhodt. Im Café Ludwig I. an der Theresienstraße gibt leckeren Kuchen und gutes Eis. 

Unser Ausflug

Angelika und Andreas hatten uns den Tipp gegeben. Ganz in der Nähe von Rhodt (35 Kilometer) sei ein hübsches, kleines, mittelalterliches Städtchen zu besichtigen, Freinsheim. 

Wir gehen durch das Haintor in die Stadt,
eines der beiden Stadttore aus dem 15. Jahrhundert.

Das Äußere Eisentor

Es ist der zweite Zugang zur Stadt.
Die Toranlage hatte ein äußeres Vortor und das Innere Tor.
Dem Inneren Tor aus dem 15. Jahrhundert wurde ein Jahrhundert später ein Vortor hinzugefügt.

Inneres Eisentor

Freinsheim ist eine Kleinstadt mit 5.000 Einwohnern im Landkreis Bad Dürkheim. Zur Stadt wurde Freinsheim erst 1979 wegen seiner historischen Bedeutung durch den Ministerpräsidenten Bernhard Vogel. Davor war der Ort schon zweimal eine Stadt, aber immer nur für etwa 50 Jahre. Das war um 1500 so, als sie die Marktrechte bekamen, und dann noch einmal bevor die Pfalz 1794 französisch wurde. 

Im 1. Jahrtausend gehörte Freinsheim teilweise dem Kloster Weißenburg im Elsass und ab dem Jahr 985 dem Salier Herzog Otto I. von Kärnten und Herzog von Worms. Otto I. musste das Herzogtum Kärnten abgeben und erhielt dafür als Ersatz Besitztümer des Klosters Weißenburg im Elsass. Es war ein Kloster im Eigentum des Bischofs von Speyer. Neben Freinsheim kamen so weitere 67 Besitzungen an die Salier, z.B. auch Mutterstadt, Mußbach, Oggersheim, Kallstadt, Iggelheim. In die Geschichte ist das als Salischer Kirchenraub eingegangen.

Im 15. Jahrhundert kam Freinsheim zur Kurpfalz. Die Stadtbefestigung wurde ausgebaut. Das letzte Stadttor, das sogen. Eisentor (äußeres Tor), wurde 1514 fertiggestellt. Im Pfälzer Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) wurde Freinsheim weitgehend zerstört und Anfang des 18. Jahrhunderts wiederaufgebaut. 

Rathaus aus dem 18. Jahrhundert.
Davor war dort der Verwaltungssitz des kurpfälzischen Unteramtes.

Protestantissche Kirche aus dem 15. Jahrhundert,
im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zerstört wiederaufgebaut.

Der pfälzische Kurfürst führte 1556 die lutherische Reformation in der Pfalz ein. 1685 kam die Pfalz an eine katholische Linie der Wittelsbacher, die die Wiedereinführung des Katholizismus förderte. Protestantische Kirchen durften auch von Katholiken gentzt werden. Auf Druck Preußens, das sich als Schutzmacht der Protestanten fühlte, kam es 1705 zur Kirchenaufteilung. Pfarrhäuser und Schulen wurden zwischen Protestanten und Katholiken aufgeteilt. Die Freinsheimer Kirche wurde protestantisch. Einige Kirchen wurden durch eine Mauer aufgeteilt. Beispiel hierfür ist die Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße.

Tür zur katholischen Kirche St. Peter und Paul

1771/73 erhielten die Katholiken in Freinsheim wieder eine Kirche. Schon vorher, 1746, gab es einen katholischen Pfarrer. Freinsheim war ein Unteramt des (katholischen) Kurfürstentums geworden und katholische Beamte kamen nach Freinsheim. Gottesdienst wurden in einem Saal des Karmeliterklosters abgehalten.

Das ehemalige Karmelitenkloster.
1805 erwarb eine Familie Retzer das Anwesen (Retzer-Haus).

Die Kurpfalz war ein Fürstentum mit mehreren nicht zusammenhängenden Gebieten. Die Hauptstadt waren erst Heidelberg und dann Mannheim. Regiert wurden sie von einer Wittelsbach-Linie. 1777 erbte der Pfälzer Kurfürst nach dem Aussterben der bayrischen Linie der Wittelsbacher das Kurfürstentum Bayern. Bayern und die Pfalz wurden zusammen von München aus regiert. 

Eindrücke:









Heute zählt Freinsheim zu den großen Weinbaugemeinden der Pfalz.


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