Wanderungen Berlin
Heute war die Pfaueninsel, die einmal eine
Kanincheninsel war (Kaninchen-Werder), unser Ziel. Die Pfaueninsel ist
eine Insel in der Havel, kurz bevor sich die Havel zum Großen Wannsee
erweitert.
Im 17. Jahrhundert ließ der Große Kurfürst einen „Canienengarten“ anlegen, um
durch den Verkauf der Kaninchen Geld in die kurfürstliche Kasse zu bekommen.
Der Große Kurfürst war Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg, der 164o
das Erbe seines Vaters antrat und Kurfürst von Brandenburg und Herzog in
Preußen wurde.
Das Kurfürstentum Brandenburg entstand 1356 aus der von Albrecht dem Bären gegründeten Mark
Brandenburg (das Bundesland Brandenburg umfasst nur einen Teil der
damaligen Mark Brandenburg). In dem Jahr bestimmte Kaiser Karl IV. auf dem
Hoftag des Heiligen Römischen Reiches in Nürnberg mit dem als Golden Bulle
bezeichneten Reichsgesetz, dass künftig sieben Kurfürsten den
römisch-deutschen König und Kaiser wählen würden. Es waren dies die Erzbischöfe
von Mainz, Trier und Köln sowie der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein,
der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Im Jahr 1397 belehnte
der römisch-deutsche Kaiser den Burggrafen von Nürnberg aus dem Adelshaus
Hohenzollern (von der Burg Hohenzollern in Schwaben) mit der Mark
Brandenburg, der damit auch Kurfürst wurde.
Anfang des 17. Jahrhunderts erbte der
brandenburgische Kurfürst das Herzogtum Preußen (etwa die spätere
preußische Provinz Ostpreußen). Das Herzogtum war von dem letzten Hochmeister
des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, 1525 gegründet
worden. Albrecht von Brandenburg-Ansbach schloss sich der Reformation Martin
Luthers an und wandelte den katholischen Deutschordensstaat in ein
weltliches (protestantisches) Herzogtum um. Er unterstellte sich
lehensrechtlich dem polnischen König. Später, 1701, erhöhte sich Friedrich III.
Kurfürst von Brandenburg und Herzog in Preußen als Friedrich I. zum König in
Preußen.
In der Zeit des Großen Kurfürsten (Regierungsantritt 1640) ging es Brandenburg nicht gut. 1648 beendete der
Westfälische Frieden den 30-jährigen Krieg. Das Land war durch die lange
Kriegszeit verwüstet und verarmt. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts
begann wieder ein wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung (Ansiedlung von
französischen Hugenotten nach dem Edikt von Potsdam 1685). Die Kaninchenzucht
auf dem Kaninchen-Werder und anderswo war darum eine notwendige Einnahmequelle
des Kurfürsten.
Auf der Insel Kaninchen-Werder erfolgte später auch
ein anderer Versuch, dem Kurfürstentum Einnahmen zu verschaffen. Der Große
Kurfürst überließ die Insel dem Alchemisten und Glasmacher Johannes Kunkel.
Kunkel
leitete zunächst beim Sächsischen Kurfürsten ein geheimes Labor, in dem unedlen Metallen in wertvolles Gold
verwandelt werden sollte, was damals Mode war. Nach dortigen Intrigen holte ihn
1678 der Große Kurfürst nach Brandenburg. Hier modernisierte er die kurfürstlichen
Glashütten in Potsdam und Drewitz. Auf dem Kaninchen-Werder betrieb Kunkel nach
1685 auf Geheiß des Großen Kurfürsten ein abgeschirmtes Laboratorium (niemand
durfte die Insel betreten), in dem ihm die Herstellung wertvoller Gläser aus Goldrubinglas
und Smaragdglas gelang. 1689 brannte das Labor ab und wurde nicht wieder
aufgebaut. Die Insel blieb in den nächsten Jahrzehnten ungenutzt.
Erst mit Friedrich Wilhelm II. von Preußen, Neffe und
Nachfolger Friedrich des Großen, wurde das Kaninchen-Werder wiederbelebt.
Friedrich Wilhelm II. ließ 1795 ein kleines Schloss auf der Insel errichten.
Es sollte ein privater Rückzugsort werden und war wohl auch für die Treffen mit
seiner Geliebten Wilhelmine Enke gedacht. Die Inneneinrichtung und Möblierung des Schlosses wurde weitgehend von der Geliebten Wilhelmine Encke bestimmt, die der König zur Gräfin Lichtenau adelte. Viel hatte sie nicht davon. Friedrich-Wilhelm II. starb 1797 und die Gräfin wurde von seinem Sohn, Friedrich Wilhelm III. vom Hofe verbannt.
Mit dem Schloss kamen auch Pfaue auf
die Insel. Sie waren am preußischen Hof ein Statussymbol. Das Kaninchen-Werder
hieß fortan Pfaueninsel.
Außer dem Schloss ließ der König auch eine Meierei
(in der Form eines gotischen Klosters) und Wirtschaftsgebäude errichten.
Kühe wurden gehalten, deren Milch in der Meierei verarbeitet wurde. Das
ländliche Leben war damals Mode der adligen Gesellschaft.
Friedrich Wilhelm III. (In seiner Zeit besiegte Napoleon das Preußische Heer und er musste nach Memel in Ostpreußen fliehen. In der Folge modernisierte er mit Hilfe von Hardenberg, von Stein, von Humboldt und von Scharnhorst das Land. Nach der Niederlage Napoleons und der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress widersetzte er sich der deutschen Einheitsbewegung) verbrachte mit seiner Frau Luise zu Mecklenburg-Strelitz (sie hatte in Tilsit Napoleon vergeblich um Gnade für Preußen gebeten.) die Sommerferien auf Schloss Pfaueninsel. Die Insel soll ein Lieblingsort von Königin Luise gewesen sein. 1821 wurde der Gartenarchitekt Peter Josef Lenné beauftragt, die Insel in einen englischen Landschaftsgarten umzuwandeln. Dabei entstand auch ein Rosarium. Das (1880 abgebrannte) Palmenhaus und das Kavaliershaus wurden gebaut.
Das Rosarium auf der Pfaueninsel entstand aus einer Berliner Privatsammlung mit 11.000 Rosen. Die Rosen-Leidenschaft brachten den Sammler in finanzielle Schwierigkeit und er musste seine Rosen verkaufen. Der spätere Gartendirektor Lenné griff zu und erwarb die Sammlung für den König. Und so entstand der erste preußische Rosengarten auf der Pfaueninsel. Doch er bestand nur wenige Jahre, der sandige Boden hätte verbessert werden müssen. 1989, zum 200. Geburtstag Lennés, wurde das Rosarium neu angelegt. Der Boden wurde dafür komplett ausgetauscht.
Die Bauten auf der Pfaueninsel wurden 1804 mit
einem Kavaliershaus als Wohn- und Wirtschaftshaus vervollständigt. König Wilhelm III. ließ es 1826 als Sommerwohnung für seine Kinder umbauen und mit einem Turmanbau ergänzen. Der Turm erhielt die Fassade
eines Danziger Hauses. In Danzig befand sich das Schlieffhaus, das
1520 im Stil der Backsteingotik an der Brotbänkengasse für den Bürgermeister
Hans Schlief errichtet wurde, in einem desolaten Zustand. Der Eigentümer ließ
die Fassade abtragen und verkaufte sie an Friedrich Wilhelm III., der sie
originalgetreu an dem Turmanbau anbringen ließ. In Danzig wurde die Fassade des
Schlieffhauses 1970 beim Wiederaufbau der Innenstadt nach den Maßen der
Originalfassade auf der Pfaueninsel wiederhergestellt.
aber
Wasserbüffel zur Landschaftspflege.
Die männlichen Pfaue haben an Hals, Brust und Bauch leuchtend blaue Federn und eine Schleppe, die aus verlängeren Oberschwanzdeckfedern bestehen. In der Balz stellen sie diese zu einem fächerförmigen Rad auf.
Die Hennen sind kleiner und wesentlich unauffälliger gezeichnet.
Beide haben auf dem Scheitel eine kleine Federkrone.
Weiße Pfaue sind eine seltene Farbvariante. Sie stammen ursprünglich aus Indien und wurden dort von den Maharadschas gezüchtet.
Das Fregattenhaus entstand 1832. König Friedrich Wilhelm III. hatten von seinem britischen Verwandten die Fregatt „Royal Luise“, als Geschenk erhalten. Für die ließ er das Fregattenhaus am Ufer der Pfaueninsel bauen (die Hauptanlegestelle für die königlichen Boote war die Matrosenstation Kongnaes am Jungfernsee).


















