Wanderungen durch eiszeitliche Rinnen
Die Berliner Stadtlandschaft ist geprägt von zahlreichen Seenketten und Flusstälern, die als eiszeitliche Rinnen in der Weichsel-Kaltzeit vor gut 20.000 Jahren entstanden sind. In dieser Zeit wurde auch das Berliner Urstromtal mit der Spree und der Havel als Teil des Warschau-Berliner Urstromtals gebildet, das auf das Elbe Urstromtal stößt. Eiszeitliche Rinnen, auch als glaziale Schmelzwasserrinnen bezeichnet, sind die Grunewald-Seenkette, das Wuhletal im Osten Berlins, der Tegler Fließ und auch das Bett des Teltowkanals. Die im Untergrund angesammelten Sande des Urstromtals sind ein wichtiger Grundwasserspeicher für die Versorgung Berlins.
Kleine Wanderung zum und durch den Thielpark
Ganz in unserer Nähe ist eine eiszeitliche Rinne zu einer Parklandschaft gestaltet worden. Das geschah im Zuge der Erschließung der Ackerflächen der Domäne Dahlem Anfang des 2o. Jahrhunderts. Eine Aufteilungskommission unter Leitung von Hugo Thiel, Ministerialdirektor im preußischen Landwirtschaftsministerium, parzellierte die Ackerflächen in 500 Grundstücke für eine villenartige Bebauung. Das Villenviertel Dahlem entstand (siehe ausführlicher: Stadtwanderung Thielpark und mehr - Link zum Bericht). Zum Domänenland gehörte auch eine eiszeitliche Senke, deren Flächen sich nur schwer vermarkten ließen, so dass die Talfläche als Park ausgewiesen wurde. Die Teiche und Bachläufe wurden künstlich angelegt. Benannt wurde der Park nach dem Vorsitzenden der Aufteilungskommission Hugo Thiel.
Hugo Thiel (1839 – 1918) war Professor für Agrarwissenschaften, bevor er Geheimer Regierungsrat und später Ministerialdirektor im Preußischen Landwirtschaftsministerium wurde. Er war Mitglied des Reichstags (1874 – 1877) und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses (1873 – 1878). Ab 1901 war er Vorsitzender der Aufteilungskommission für die Domäne Dahlem.
Der Landschaftspark beginnt an der Habelschwerdter Allee.
Die Habelschwerdter Allee ist die Verlängerung der Drakestraße. Der erste Name war „Werderstraße“, 1937 wurde sie nach der Stadt Habelschwerdt in früheren Provinz Niederschlesien (heute Woiwodschaft Dolnoslaskie in Polen) benannt.
Eine kleine Fläche mit einem Teich zwischen der Habelscherdter allee und der Thielallee und wurde nach der italienischen Stadt Triest benannt.
Die Stadt Triest liegt an der Adria nördlich von Istrien und der Grenze zu Slowenien. Welche Verbindung zu Berlin besteht, konnte ich nicht herausfinden. Eine Städtepartnerschaft gibt es offensichtlich nicht.
Hinter der Thielallee beginnt der eigentliche Thielpark. Bis zur Trogstrecke der U-Bahn (1913 wurde die Strecke eröffnet) wird die Parkanlage auch als Zehner Park und danach als Pompinius Park ausgewiesen (die Namensherkunft beider Parks konnte ich nirgends finden). Der im Pompinius Park angelegte Studententeich kann auf die Freizeitnutzung durch die Studenten der nahegelegenen FU Freie Universität hinweisen.
Die U-Bahnstation Thiel Platz /Freie Universität ist der Übergang zum Hauptteil des Parks mit dem Thielparkteich und dem Schilfteich. Der Park endet an der Clayallee. Gegenüber befindet sich Alliierten Museum.
Die Clayallee ist seit dem 1. Juni 1949 nach dem
Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland, General
Lucius . Clay, benannt. Er war der „Vater“ der Berliner Luftbrücke,
die 1948 und 1949 Berlin nach der Sperrung der Verbindungswege durch die
Sowjetarmee versorgte.
Das Alliierten Museum wurde auf ehemaligem US-Militärgelände in der Nachbarschaft des damaligen US-Hauptquartiers aufgebaut. Das Museum erinnert an die Luftbrücke und das Engagement der westlichen Alliierten während des Kalten Krieges.
Kleine Wanderung um den Schlachtensee
Der langgezogene Schlachtensee ist Teil der Grunewald-Seenkette, die sich am Rand des Grunewalds bis Halensee entlangzieht. Die Hauptkette verläuft von Südwesten (von der Havel südlich des Strandbades Wannsee) nach Nordost (Richtung Spree) mit den Seen und Niederungen Nikolassee, Rehwiese, Schlachtensee, Krumme Lanke, Riemeisterfenn, Langes Luch, Grunewaldsee, Hundekehlefenn, Hundekehlesee, Dianasee, Königsee, Halensee, Lietzensee (siehe ausführlicher: Kleine und große Wanderung im Grunewald – Link zum Bericht).
Der Schlachtensee
ist für uns, wie der Thielpark, ein beliebtes Ziel für Kurzwanderungen
(siehe dazu den Bericht: Um den Schlachtensee – Link zum Bericht). Nicht nur
für uns, durch die nahe S-Bahnstation ist der See und seine Ufer gut zu
erreichen. Auf der Seite der Fischerhütte sind an der Fischerhüttenstraße im
Waldbereich größer Parkplatzbuchten angelegt worden. Entsprechend viele
Berliner sind an Sommertagen am und im Wasser.