Durch zwei Barrancos

3. April 2026 

Nach langer Regenpause ist heute eine erste kleine Wanderung vorgesehen. Ich will von uns aus zum Barranco Martianez und ein Wegstück in ihm hinauf nach San Nicolás gehen, der Rückweg soll durch den benachbarten Barranco Tajinaste erfolgen. Es ist keine lange Tour, eher ein Spaziergang. 

Wanderung 6 Kilometer 

Ich starte am Garten-Ausgang unserer Wohnanlage La Rosaleda an der Calle Luis Rodrigues Figueroa. 

Im Garten unserer Wohungsanlage

Blick vom Garten auf den Teide

Die Straße ist nach dem Schriftsteller und Politiker Luis Rodrigues Figueroa (1875 – 1936) benannt. Er war für die Republikanische Partei in Stadtrat von Puerto de la Cruz, Mitglied des Inselparlaments und der Cortes Generales, dem spanischen Parlament.  Nach dem Beginn des spanischen Bürgerkrieges wurde er 1936 ermordet. 

Der langjährige Direktor des Hotels Rio Garoe in Puerto war (bis 2015) Cándido Figueroa. Ob er ein Verwandter des Schriftstellers war, konnte ich nicht erfahren. 

Auf dem Weg komme ich an einem kleinen Kiosk vorbei, Kiosco El Paraguas. Er ist klein und unscheinbar. Aber immer, wenn ich dort vorbeikomme, stehen und sitzen dort Leute, trinken einen Rotwein oder ein Bier oder essen ein Bocadillo, ein belegtes Brötchen. Es scheint ein Treffpunkt für Handwerker und Arbeiter zu sein, die hier ihre Frühstücks-, Mittags- oder Nachmittags-Pause machen. 

Hinter dem Hotel Ambassador wurde auf einer Brachfläche ein Diskuswurf-Feld planiert. Nach der langen Regenzeit ist es fast vollständig wieder begrünt und eine Bienen- und Ziegenweide. Hohe Grausenf-Büsche erfreuen die Bienen, deren Summen nicht zu überhören ist. Zu der Brachfläche, eine aufgegebene und auf Wohnbebauung wartende ehemaligen Banenplantage, gehören die Mauern eines leeren Wasserbeckens, eine Malfläche für Streetart-Künstler. Auf dem nördlichen Teil der ehemaligen Finca wurden vor wenigen Jahren Apartmenthäuser und der Supermarkt Mercadona errichtet. Ursprünglich für die Wohnungsversorgung der Einheimischen gedacht, werden jetzt immer mehr Wohnungen als Ferienappartements vermietet. 

Die Brachfläche mit dem Grausenf

Die Ziegenherde mit Schafen vom Ziegengatter im Barranco

Ein kleines Zicklein turnt auf den Steien.
Vielleicht ist es das vor wenigen Tagen auf der Brachfläche geborene.

Die Gemüsefelder der ehemaligen Bananen-Finca

Die Apartmentanlage grenzt an den Barranco Mártianec. Ein Stück hinter der Anlage gehe ich in das Barranco-Tal hinunter, auf einem ehemaligen Spazierweg. Es war einmal der Camino de San Nicolás. Zu sehen ist davon nur noch ein Laternenmast – der Weg muss sogar beleuchtet gewesen sein – und die Pflasterung, soweit sie nicht vom Gras überwuchert ist. An manchen Stellen muss man auch um Geröll und Felsbrocken herumgehen, die von der Steilwand heruntergekommen sind. 

Der Weg am Barranco mit Löwenohr-Büschen.
Löwenohr (Leonotis) stammt aus Afrika. Es war Bestandteil der Zaubermittel der Buschmänner- und Zuluvölker. In neuerer Zeit wurde es wegen seiner entspannenden Wirkung auch als Ersatz für Cannabis verwendet und auch als "wildes Marihuana" bezeichnet.

Das könnte eine alte Wasserverteilung sein.

Im Barranco ist ein altes Wasserhaus vor einem aufgelassenen Wassertunnel (ein weiteres Pumpenhaus steht kurz vor dem Beginn des Spazierwegs) zu sehen und eine Wasserleitung, die den Barranco überquert. Hier ist an dem gegenüberliegenden Barranco-Hang ein Ziegenferch der Ziegen, die öfter auf der Brachfläche mit dem Diskus-Feld grasen. Bei einem früheren Gang zum Mercadona hatte eine der Ziegen gerade ihr Zicklein mitten auf dem Trampelweg geboren.

Geröll auf dem Weg. 
Im Hintergrund das alte Wasserhaus und die Wasserleitung.
Der Ziegeferch im Barranco

Der Barranco Martiánez ist eine trockene Schlucht. Es muss schon kräftig regnen, damit durch die Schlucht Wasser bis zur Mündung des Barrancos in die Bucht von Martiánez (neben dem von César Manrique entworfenen Schwimmbad Martiánez) fließt. Der Name Martiánez ist von dem ersten Grundstücksbesitzer des Gebietes abgeleitet, Martin Yanes. Daraus wurde Martinyanes und dann Martiánez. Martin Yanes bewirtschaftete 1522 eine Zuckerplantage. Das Quellgebiet des Barrancos ist in der Nähe der Straße zum Teide nördlich des Maradors la Bermeja. 

Über eine Treppe geht es aus dem Barranco hinauf zum Camino Durazno, die nördliche Verbindungsstraße von Puerto de la Cruz zur Autobahn. Dann weiter vorbei an einem Wasserbehälter und dem Ausgang einer Palmenallee zur Ermita San Nicolás. 

Die Palmenallee

Die Palmenalle ist die Calle Velázquez, die durch das Bungalow-Wohngebiet San Nicolás führt. Die Palmenallee endet an der Finca las Tapias, eine ehemalige Bananenplantage, auf deren Terrassen jetzt Gemüse angebaut wird. Wenn wir zum Einkaufen zum Supermarkt Mercadona gehen, schauen wir immer über den Barranco Martianez hinüber auf die Felder, um zu sehen, was gerade angebaut oder geerntet wird. 

Die Eremitage von San Nikolás de Tolentino (ein Heiliger Augustiner-Eremit aus Tolentino in der italienischen Region Marken) steht neben dem Herrenhaus der Adelsfamilie Valcárcel. Gebaut wurde das Herrenhaus und die kleine Kapelle im 17. Jahrhundert von dem "zweiten erblichen Oberleutnant" von Teneriffa, Nikolás Ventura de Valcárcel Lugo y Molina Quesada (geb. 1614). Im 20. Jahrhundert pachtete die englische Firma Yeoward die Hacienda und verpackte hier die Bananen für die Verschiffung nach England. Später wurde das Haus von der Stadt Puerto de la Cruz bis Ende 1960 als Schule genutzt. Viele Jahre war in der Hacienda das Restaurant „Tito´s Bodegita“, auf dem Rückweg vom Lidl-Einkauf eine gute Einkehr-Station. Jetzt stehen die Gebäude leer. Tito ist in das weiter unten gelegene Herrenhaus Abaco umgezogen. 

Die Kapelle San Nicollás und das Herrenhaus

Das Wappen des Erbauers (?)
über dem Kapelleneingang

Hinter San Nicolás muss ich ein Stück an der Straße zum Lidl entlang gehen und komme dann zum nächsten Barranco, dem Barranco Tafuiraste (auch Barranco Salina), der weiter unten in den Barranco Martiánez mündet. Zwischen dem Barranco und der Siedlung San Nicolás liegen die Felder einer Bananen-Finca. Auf der anderen Seite des Barrancos erhebt sich der erloschene Vulkankegel Montaña de las Arenas mit dem Hotel Las Aguilas. Von dem Vulkanberg führt ein Aquädukt hinüber zur Bananen-Finca.

Blick über das Bananenfeld zur Küste

Am Wegrand

Der Barranco 
mit dem Hotel Las Aguilas auf dem Montana de las Arenas 
und dem Wasserkanal

Der Barranco Tafuriaste ist einer der zahlreichen trockenen Schluchten, die aus dem Teide-Gebiet hinunter zum Meer führen. Vor der Eroberung Teneriffas leiteten sie das an den Bergen herunterkommende Regenwasser und das von den kanarischen Kiefern aufgefangene Nebelwasser hinunter zum Meer. Der zunehmende Wasserbedarf führte zu zahlreichen in die Berge gegrabene Tunnel, in denen das Wasser gesammelt und abgeleitet wurde. Die Bäche versiegten und die Barrancos wurden trockene Täler. Ein gutes Beispiel ist die „Ruta de los Molinos“ in La Orotava. Hier sind noch einige Mühlengebäude von ehemals 13 Mühlen und einem Sägewerk erhalten, die mit dem Wasser aus dem 700 Meter höher gelegenen Aguamansa betrieben wurden, bis man sich das Wasser aus dem Barranco durch die Wasserstollen selbst abgegraben hat.

Der Name „Tafuriaste“ soll aus der Guanchen-Sprache stammen und einen Tanz der Guanchen beschreiben. Als Gebietsbezeichnung taucht der Name schon bei der Landverteilung durch Alonso de Lugo, den Eroberer von Teneriffa, auf.

Tafuriaste ist auch der Name einer Bodega in La Orotava mit den Weiß-, Rot- und Rose-Weinen Tafuriaste, Ocho Islas und Prunet.

Der Montaña de las Arenas (Sandberg) wird auch als Montaña de la Horca (Galgenberg) bezeichnet. Woher der Name kommt, konnte ich nicht ergründen. Es ist einer von drei Vulkanen, die 1430 durch einen Spaltenausbruch entstanden sein sollen. Neben dem Montaña de las Arenas (auf dem das Hotel las Águilas steht) sind das der Montaña de los Frailes (Berg der Mönche – neben dem das Restaurant El Monasterio und die Schule Colegio de la Pureza de Maria gebaut wurden) und der Taoro-Berg (auch als Monte Miseria – Berg des Elends – bezeichnet, wegen des schlechten Landes „Malpais“) mit dem Hotel Taoro. Die Lavaströme des Montaña de las Arenas sind bis zum Meer geflossen und haben die Küste des heutigen Puerto de la Cruz erweitert (Gebiet um den Charco). Auf den Lavaströmen des Montaña de las Frailes ist das Stadtviertel Punta Brava entstanden. Ein weiterer erloschener Vulkan in der Nähe ist der Montaña La Gañdia, dessen Vulkankegel durch Bimssteinabbau verschwunden ist und dessen Krater jetzt als Stausee La Cruz Santa genutzt wird.

Auf dem Montaña de las Arenas wurde das Hotel Las Aguilas (Adler) im Jahre 1970 als Hotel Altavista (hoher Ausblick) errichtet. In den 1980er Jahren wurden bauliche Mängel festgestellt und wirtschaftliche Probleme entstanden. Das Hotel wurde bis 1995 geschlossen. Dann wurden nach statischen Untersuchungen zwei Stockwerke zurückgebaut und das modernisierte Hotel 2005 als Hotel Las Aguilas wieder eröffnet. Es gehört zur Hotel-Gruppe Meliá, die auch das Hotel Hacienda del Conde in Buenavista betreibt. Ob die statischen Probleme des Hotels auf dem Montaña de las Arenas mit dem in den Berg gegrabenen Wassertunnel zusammenhängen oder nur der Aschekegel nicht tragfähig genug ist, ist wohl unklar.

Mit dem Bau eines Wassertunnels in den Montaña de las Arenas wurde 1933 durch die Wassergemeinschaft San Nicolás begonnen. Die Wassergemeinschaft wurde 1923 gegründet und hat mehrere Wassertunnel in der Gegend gebohrt. Fertiggestellt wurde der Wassertunnel im Montaña de las Arenas erst 1948 mit einer Länge von etwa 1,8 Kilometern. Es wurde eine Wassermenge von 15.000 Pipas erreicht, was 72.000 Hektolitern entspricht. Jetzt musste noch ein Kanal zur Verteilung des Wassers gebaut werden, der 1953 fertiggestellt wurde. Der Barrañco Tafuriaste wurde mit einem Brückenbauwerk überquert. Das Aquädukt überspannt noch immer das Tal. Aber Wasser fließt keines mehr. Wann der Kanal stillgelegt wurde, konnte ich nicht herausfinden.

Den Barranco Tafuriaste habe ich vor Jahren als Wanderweg „entdeckt“. Es war auch einmal ein Wanderweg, ausgewiesen am unteren Ende des Weges als „Sendero Turistico Barranco Tafuriaste“.  Eine alte Holztafel am unteren Ausgang erinnert noch daran. Inzwischen ist er wohl vergessen. Außer dem Hirten mit seinen Ziegen vom Gatter oben an der Straße geht wohl niemand mehr diesen naturbelassenen Geröllweg. Stellenweise ist der erkaltete Lavafluss im Grund des Barrancos sichtbar.

Blank gewaschene Lavazungen mit Sandbänken

Balsam-Wolfsmilch

Die alte Wandertafel

Jetzt war der Barranco stark verändert. Der große Regen im März hat den Talboden ausgewaschen. Große Mengen an Geröll, Lavasand und auch Erde sind den Barranco hinuntergespült worden. Gleich nach der Straßenunterführung (die zwei großen Röhren waren in den vergangenen Jahren eine Unterkunft für eine Ziegenherde) ist der zerklüftete und teilweise bewachsene Barranco-Boden von Geröll wie eine Gletscherfläche eingeebnet. Weiter unten sind größere Lavazungen freigespült worden und die Senken dazwischen sind mit feinem Lavasand aufgefüllt. Vor dem Wasser-Viadukt kreuzt der am Rand des Barrancos verlaufende Weg den Barranco. Diesmal bin ich dort nicht durch den Barranco gekommen. Die Wassermassen haben den Barranco vertieft und steile Ufer zurückgelassen, die ich dort nicht hinunter und wieder hinaufgekommen bin. Also musste ich ein Stück zurückgehen und an einer flacheren Stelle in den Barranco und dann weiter im Barranco gehen. Die Wassermassen haben den Barranco in einen leicht zu begehenden Weg abgeflacht, mit Sandstellen, die so bequem zu gehen waren wie auf Kiefernnadeln.

Der Barranco-Weg endet in der Nähe des Bellevue-Krankenhauses. Die Calle Belgica hinunter zur Hauptstraße ist steil, aber auf dem Rückweg nicht zu vermeiden. Früher konnten wir den Weg nach La Paz durch das Hotel La Perla abkürzen. Das Hotel liegt am Barranco Martiánez und hat einen Gartenweg durch den Barranco, der aber jetzt verschlossen ist.

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