Unser regelmäßiger Spaziergang

16. Januar 2026

Wenn wir keine größere Wanderung machen, gehen wir möglichst jeden Tag eine Runde um La Paz – wenn es nicht regnet, jetzt im Januar regnet es allerdings öfter.

Spaziergang La Paz - 3,5 Kilometer

Wir gehen an dem Einkaufszentrum La Cupula gleich neben unserer Wohnanlage vorbei und über die Kreuzung der Avenida mit dem langen Namen (siehe „Taoro Wanderung“, Link zum Bericht). Rechterhand ist der Botanische Garten und gegenüber der Placita Retama, benannt nach der Carretera Retama, der wir im weiteren folgen.

Eingang des Botanischen Gartens an der Calle Retama

Den Botanischen Garten „Jardin de aclimatación de La Orotava“ ließ der spanische König ab 1791 auf dem Land der  Hacienda El Durazno anlegen, die noch zu La Orotava gehörte und der Hafen war der Puerto de la Orotava. Eine selbständige Gemeinde wurde Puerto de la Cruz erst 1808.  

Das Herrenhaus der Hacienda war der Landsitz Abaco aus dem 18. Jahrhundert, das lange Zeit in seinem ursprünglichen Stil erhalten blieb. Heute ist dort ein Restaurant. Die Hacienda geht auf Bartolome Benitez de Lugo, Neffen des Eroberers von Teneriffa, Alonso Fernandes de Lugo, zurück. Der Neffe wurde mit dem Land für seine Verdienste bei der Eroberung Teneriffas belohnt.

In dem Botanischen Garten sollten tropische Pflanzen aus den spanischen Kolonien akklimatisiert werden, um danach im Königlichen Garten in Madrid angepflanzt zu werden. Das funktionierte aber nicht so richtig.

(siehe „Teneriffa Spaziergänge: Botanischer Garten“, Link zum Bericht)

 

Retama ist ein zu den Schmetterlingsblüten gehörender, gelb blühender Strauch. Als Teide-Ginster (Retama del Teide) ist er auf Teneriffa und La Palma endemisch, nur hier wachsend, und prägt die Landschaft der Cañadas del Teide. Aus den Blüten der Retama-Sträucher produzieren die Bienen den bekannten Teide-Honig. Bei Wanderungen in höheren Regionen sieht man zahlreiche Bienenkörbe.

 

Apartmentanlage gegenüber dem Botanischen Garten

Hinter dem kleinen Platz Retama befindet sich ein mit rötlichen Steinen verkleidetes, etwas indisch anmutendes Apartment-Gebäude. Im Erdgeschoss ist passend ein indisches Restaurant, das Delhi Darbar, mit guter Küche und wählbarer Schärfe der Gerichte. Auch die anderen Restaurants, das Black Sea, das Oliva und die Pizzeria Europa sind empfehlenswert. In der Pizzeria gibt es am Wochenende zur Frühstückszeit Churros, ein in Öl gebackenes Spritzgebäck. Die Spanier essen es gewöhnlich mit heißer Schokolade, ich mag die Variante nur mit Zucker lieber. Der Ursprung der Churros soll ein chinesisches Frühstücksgericht sein, das portugiesische Händler nach Europa gebracht haben.

Ein kleiner Palmenhain

Die Retama-Straße wird auf der einen Seite von einem langgestreckten Palmen-Wäldchen gesäumt. Gegenüber ist die Appartement-Anlage Tajinaste, gefolgt von Violetas del Teide und den Apartamentos Tarahal.  Gegenüber ist das Rio Garoe, ein sehr gutes Hotel. Der Straßenabschnitt ist hier die Calle Dr. Celestino González-Padrón. Das war auch unsere erste Anschrift auf Teneriffa, als wir in unserer ersten Wohnung in  der Apartment-Anlagge Violetas del Teide gewohnt haben.

Apartmentanlage Tajinaste
 im kanarischen Stil mit Holzbalkonen

Apartmentanlage Tarahal 
in einem etwas maurisch aussehendem Stil

Tajinaste ist eine auf allen Inseln der Kanaren endemisch beheimatete Pflanze mit kegelförmigen Blüten. Am bekanntesten sind die weiße (Echium decaisnei) und die rote Tajinaste (Echium wildpreti). Der Samen ähnelt ein wenig dem Kopf einer Schlange, daher der Name Echium (griechisch: Viper). Der deutsche Name ist Natternkopf. Der spanische Name Tajinaste soll aus der Guanchen-Sprache stammen (tainast – Nadel, Stachel).   

Weiße Tajinaste

Am schönsten sieht die am Teide vorkommende rote Tajinaste aus, auch als Roter Natternkopf oder Wildprets Natternkopf bezeichnet. Diese Tajinasten-Art blüht nur einmal in ihrem Leben. Sie wächst über mehrere Jahre heran, blüht und bildet Samen zur weiteren Verbreitung und stirbt dann ab. Der deutsche Name Wildprets Natternkopf ist zu Ehren des Schweizer Gärtner und Botaniker Hermann Wildpret benannt. Von 1860 bis 1893 leitete er den Botanischen Garten in Orotava bzw. Puerto de la Cruz.                                                                     
Roter Natternkopf
Foto eines Ausflugs in die Canadas

Violetas del Teide, die blau blühenden Teide-Veilchen, wachsen nur auf den Gipfeln des Teide-Nationalparks oberhalb von 2.400 Metern. Ich habe sie noch nicht in freier Natur gesehen.

Hotel Garoe

Wir gehen jetzt parallel zur Hauptzufahrtstraße nach Puerto, der Carretera Este, Richtung Meer. Am Weg liegt die vor einigen Jahren neu gebaute Kirche Iglesia Nuestra Señora de la Paz.  

Nuestra Señora de la Paz ist die jüngste Kirche in Puerto de la Cruz. 2006 wurde sie geweiht. Auffallend sind die bunten Glasbilder an der Kirchenfassade.

Unter der Kirche ist eine sogenannte Auferstehungskapelle mit einem Kolumbarium, in dem die Urnen Verstorbener aufbewahrt werden können (Der Name „Kolumbarium“ bezeichnet eigentlich ein Taubenhaus. Weil die altrömischen Grabkammern mit ihren reihenweisen übereinander angebrachten Nischen für die Aufnahme von Urnen nach der Feuerbestattung wie ein Taubenschlag aussahen, erhielten sie den Namen Columbarium.) 

Vor der Kirche wurde 2019 eine große Statue aufgestellt, „Christus der Versöhnung“, die Christus als gefolterten Gefangenen darstellt. Die Statue ist das Werk des polnischen Bildhauers Maksymilian Biskupski. Es ist eine Erinnerung an die Ermordung von 22.000 Menschen im Wald von Katyn (Ostpolen, heute russisch) und in den Gefängnissen Anfang des 2. Weltkriegs auf Anordnung von Stalin.


 

Die Kirche Senora de la Paz

Die Kirche ist umgeben von schon lange aufgegebenen Bananenplantagen, mittendrin die Ruine des Gelben Hauses. Es ist Bauerwartungsland. Im letzten Jahr wurde das ganze Areal eingezäunt und teilweise planiert, weiter passierte nichts. Aber gegenüber der Carretera werden weiter Bananen angebaut. Hier beginnt auch der Weg zur Bollullo-Bucht durch die Bananenfelder (siehe „Der schmale Küstenstreifen von La Orotava“, Link zum Bericht).

Die Felsen an der Küste von La Orotava

Das „Gelbe Haus – Casa Amarilla“, ist ein schon fast verfallenes Haus mitten in einer schon lange aufgegebenen Bananenplantage. Hier war einmal ein Zentrum der deutschen Primatenforschung der Preußischen Akademie der Wissenschaft in Berlin (1913 bis 1918). Darum steht das Haus unter Denkmalschutz, was den Eigentümer offensichtlich nicht hindert, das Haus dem Verfall preis zu geben.

Deutsche Anthropologen wollten das Verhalten von Primaten erforschen und hatten dafür das Orotava-Tal wegen seiner klimatischen Vorzüge ausgewählt. Führender Vertreter der damaligen deutschen Forschung war Wolfgang Köhler (von 1921 bis 1935 Direktor des Instituts für Psychologie in Berlin und danach Präsident der American Psychological Association). Die Schimpansen kamen aus der deutschen Kolonie Kamerun.  

1918 wurde das Gelbe Haus und die Bananen-Finca von dem Eigentümer (das Haus war nur gemietet) an den Briten Yeoward verkauft (Yeoward gehörten auch die Bananenplantagen, an deren Stelle das Hotel Botanico steht). Die Forschungsstation zog in den Ortsteil El Durazno oberhalb von Puerto de la Cruz um, in die Finca „El Cipres“ am Camino el Cipres. In der Finca war die Forschungsstation bis 1920. Dann musste sie wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Deutschland schließen. Die sechs Schimpansen der Station kamen in den Berliner Zoo.

Der Camino el Cipres war ein historischer Verbindungsweg von La Orotava zum Hafen, damals Puerto de la Orotava. Ein Teilstück steht seit einiger Zeit unter Denkmalschutz. Es beginnt gegenüber dem ehemaligen Restaurant „Casa Lala“ und endet an der „Villa Nati“  in der Nähe der Autobahn (Es ist ein großzügiger Villen-Komplex, der einmal einem Venezolanischen Minister (?) gehört haben soll). 

Das Gelbe Haus vor 5 Jahren

Unser Weg wird der Camino de la Costa, oberhalb der Carretera und der Küste. Auf der linken Seite liegt, etwas erhöht, das kleine Plató parapente (Gleitschirm). Hier können wir gelegentlich Paragleiter starten und landen sehen. Dann queren wir den Barranquilo Araujo o de los Pastores, ein unscheinbarer, trocken gefallener Barranco, der von El Mayoracgo in La Orotava kommt. Aber bei Regenfällen wird er wohl ein reißender Bach. Im letzten Jahr wurde der Ablauf unterhalb der Carretera durch eine Wasserbrücke ersetzt, um die Überflutung der Straße bei starkem Regen zu verhindern. Es ist ein scheußliches Beton-Bauwerk.

Blick vom Camino de la Costa auf die Bucht Martiánez, 
eingerahmt von einer Agaven-Blüte.

Ab hier beginnt jetzt wieder die bebaute Zone, Apartmenthäuser und Bungalows, gefolgt von Hotels, dem „Best Semiramis“ und dem „Atlantic Mirage“. Dessen Dachterrassen-Café bietet einen schönen Ausblick auf die Küste und das Meer. Hinter dem Best Semiramis führen Treppen vom Camino hinunter auf den Paseo de la Costa, der direkt am Hotel Atlantic Mirage vorbeiführt, etwa in der Hochhausmitte. Die Hotelzimmer sind oberhalb und unterhalb des Weges, der bei gutem Wetter auch die Frühstücksterrasse des Hotels ist.

Das ehemalige Meeres-Schwimmbecken des Hotels Semiramis
Laja de la Sal - Salzplatte
wird bei Flut mit frischem Seewasser gefüllt. Baden ist allerdings
bei der Überflutung nicht möglich. 

Vom Dach-Restaurant des Hotels Atlantic Mirage fotografiert:
Martiánez-Badelandschaft und die Martiánez-Bucht

Der Weg folgt dem Berghang etwas weg vom Meer. Unter uns ist der Playa Martiánez. Am Weg laden zwei kleine Terrassen-Restaurants ein. Dann kommen wir am Mirador La Paz an, der auch als Plaza Agatha Cristie ausgewiesen ist. 

Mirador La Paz - Plaza Agatha Christie

Puerto erinnert an mehreren Orten an die englische Schriftstellerin Agatha Christie. Agatha Christie (1890 – 1976) wurde durch ihre Kriminalromane bekannt (die Weltauflage ihrer Bücher soll zwei Milliarden übersteigen). 1927 kam sie für einen Monat (!) nach Puerto de la Cruz und wohnte im Hotel Taoro (das jetzt wieder eröffnet wurde). In ihrem Buch „Der rätselhafte Mr. Quin“ lässt sie die Handlungen der Kurzgeschichte „Der Mann vom Meer“ in La Paz stattfinden, insbesondere in dem Herrenhaus La Paz in der Nähe des Mirador La Paz.

Von hier gehen wir an der Kapelle San Amaro und dem Einkaufszentrum „Coviran“ vorbei zur Avenida mit dem langen Namen (Marqués de Villanueva del Prado).


San Amaro


Der Bau der Ermita San Amaro wurde 1591 von dem spanischen Hauptmann und Mitglied der Inselregierung Juan Mesa y Lugo veranlasst (fast genau 100 Jahre vorher wurde 1495 die entscheidende Erroberungsschlacht von Acentejo bei La Matanza gewonnen). Sie steht neben dem heutigen Mirador La Paz. In Guanchen-Zeit soll hier ein spiritueller Platz gewesen sein. Unterhalb des Miradors wurden Bestattungs-Höhlen der Guanchen gefunden.

San Amaro war lange Zeit die einzige Kirche in dem Gebiet. Die heutige Hauptkirche von Puerto de la Cruz, Nuestra Señora de la Peña de Francia (heilige Jungfrau von Peña) wurde erst 1697 im Zuge der Besiedlung des Gebietes um den Hafen von Orotava (heute Puerto de la Cruz) errichtet.

Umgeben war San Amaro von Zuckerplantagen, dann von Weinfeldern und danach von Bananenfeldern.  Nicht weit entfernt ließ sich 1702 Bernardo Valois (der als Bernhard Walsh aus Irland nach Teneriffa kam) das Herrenhaus La Paz bauen. Sein Schwiegersohn und Erbe war Juan Cólogan Blanco, weshalb das Herrenhaus auch als Casa Cólogan bezeichnet wird. 


Das Herrenhaus La Paz
und der Paseo de los Cipreses
(bei einem anderen Spaziergang fotografiert) 

Hotel Botanico

Wir gehen am Canary-Center vorbei, manchmal machen wir auch einen Schlenker durch das im Bungalow-Stil gebaute Einkaufs-Center an der Avenida Marqués de Villanueva del Prado.  Das Restaurant von Manuela und Leo (Tiroler Alm) mit sehr guter Küche liegt am Weg. Auf der anderen Straßenseite ist das Hotel Botanico. Dann sind wir schon wieder an der Kreuzung der Avenida und der Calle Camelia.

Der Aufgang zu unserer Wohnanlage

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