Noch einmal „Nunca es lejos“

Eine meiner Lieblings-Wanderung ist die von der Caldera oberhalb von Aguamansa zur Guachinche „Nunca es lejos“ – Nichts ist zu weit. Die befindet sich im obersten Teil der Gemeinde Santa Ursula. Im Küstenbereich liegt der Kernort Santa Ursula. Dann kommen oberhalb die Ortsteile La Corujera und danach San Bartolomé. Oberhalb von San Bartolomé kreuzt am Rande der bewaldeten Zone der Camino Candelaria die Calle Las Turcas, die von San Bartolomé heraufkommt. Etwas unterhalb der Kreuzung ist „Nunca es Lejos“. Hier beginnt, weit oberhalb der Küste, die bewirtschaftete Zone mit Weinbergen und Kartoffelfeldern. 

Ich bin den Weg schon oft gegangen, oft auch mit Wanderfreunden, in jeder Saison bestimmt einmal. Es ist kein ausgewiesener Wanderweg, den ich gehe. Am Anfang, ab der Caldera, ist der Weg eine Teilstrecke des Fernwanderwegs Anaga – Chasna GR 131. Am Barranco del Infierno (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Barranco bei Adeje) biegt ein Wanderweg nach Pinolere ab (davor gibt es einen Abzweig nach Aguamasa). Es ist die letzte offizielle Wander-Ausschilderung auf meinem Weg. Danach folgt eine Aneinanderreihung von (gut begehbaren) Forstwegen, die ich mir für meine Wanderung ausgesucht habe. Früher muss ein Teil der Strecke auch einmal ein Wanderweg gewesen sein.  Vereinzelt ist noch an einigen (wenigen) Bäumen das alte Wanderzeichen, eine Raute mit einer Wander-Liese (wie Andreas das Schild interpretiert) oder einem Wander-Männchen zu sehen. 

Ich starte an der Bus-Endhaltestelle La Caldera am Rand eines früheren Vulkankraters. Im Krater ist ein Àrea recrativa, ein Erholungsgebiet mit Grillplätzen, angelegt worden. Bei längerer Regenzeit kann der Kraterboden auch mit Wasser volllaufen. 

Wanderung 18 Kilometer
340 Meter bergauf, 720 Meter bergab

Der Krater befindet sich auf 1200 Metern Höhe inmitten eines Monteverde- Waldgebietes (immergrüner Lorbeer- und Baumheidemischwald in den regenreichen Höhenlagen des Inselnordens), in dem neben den typischen Kanarischen Kiefern auch Steinkiefern, Seekiefern und Alappo-Kiefern wachsen sollen (so auf der Informationstafel zu lesen, ich kenne die Unterschiede nicht).  Das Waldgebiet gehört zum Naturpark Corona Forestal, dem größtne Naturschutzgebiet der Insel. 

Am Weg die ersten einzelnen Blumen. Später werden es mehr.

Eine Zistrose

Eine Gänsedistel

Blaue Tajinaste - Blauer Natternkopf

Hier werden es schon mehr Zistrosen

Das erste Teilstück meines Wanderweges (und des Fernwanderweges) nach der Caldera ist die Pista de Mamio (nordwestlich des Weges ist der Montaña de Mamio), ein breiter Forstweg. An der Choza (Schutzhütte) Pedro Gil kreuzt einer der Pilgerwege nach Candelaria den Forstweg. Der verläuft hier fast genau auf der Höhenlinie 1200 Meter. Rechter Hand sind die Los Organos, die Orgelpfeifen, zu sehen. 

Das Wasser hat hier im Laufe der Zeit Rinnen in das senkrecht abfallende Gesteinsmaterial gewaschen. Von weitem sieht das wie Orgelpfeifen ähnliche Basaltsäulen aus. Aber es ist kein Basalt, sondern zusammengepresstes Geröll, geschützt durch darüber liegendes festes Gestein. Entstanden ist der Abhang durch einen gewaltigen Erdrutsch vor etwa 600.000 Jahren. Davor war das jetzige Orotava-Tal ein Berglandschaft, wie sie oberhalb von Santa Ursula und Los Realejos noch heute ist. Seit dem Abrutschen der Landmassen in das Meer wird das Orotava-Tal durch eine östliche und eine westliche Abrisskante flankiert. Die östliche Abrisskante ist die Ladera de Santa Ursula, durch die ich jetzt wandere. Die westliche ist die Ladera de Tigaiga (siehe: Wanderung von Aguamansa nach Icod Alto - Link zum Bericht). 

Der Choza Pedro Gil fehlt noch immer das Dach

Nebelwald - Baumflechten hängen an den Zweigen

Cineraria - Teneriffa Stern 
(in Deutschland gibt es ähnliche Arten als Zimmerpflanze)

Kanaren Hahnenfuß

Kanarisches Vergissmeinnicht

Eine Gliedkraut-Art ?

Blick auf Puerto de la Cruz

Das Wasserhaus

Es folgt das Wasserhaus, ein altes Steingebäude, in dem früher das Wasser aus verschiedenen Quellen gesammelt wurde. Hier quert die Pista de Mamio den Barranco Madre del Agua. Der am Wasserhaus beginnende Wanderweg Ruta del Agua ist nicht nur mit einem Sperrschild versehen, sondern mit einem Drahtzaun richtig zugesperrt. Die Gefahr von Steinschlägen und Hangabgängen nach dem vielen Regen in dieser Saison ist hier wohl noch sehr hoch. Der ausgeschilderte Wanderweg bis hierher war offiziell auch gesperrt. Ein Schild mit dem Hinweis „Durchgang verboten – Steinschlaggefahr“ war mehrfach angebracht. Aber der Weg ist inzwischen sicher. Steinschläge und einige Hangabrutsche sind beseitigt worden. 

Blick auf den Teide

Ein alte Kiefer am Weg

Kanarisches Vergissmeinnicht

Die Zweigspitzen sehen wie Blüten aus
(eine kleiner Eukalyptus?)

Kanarische Wolfsmilch (Matoespuma)

Choza El Topo

Die Choza el Topo ist eine weitere Schutzhütte. Danach wird der Barranco el Topo durchquert und es geht jetzt in engen Serpentinenschleifen leicht ansteigend bergauf. Ich bin in der Ladera de Santa Ursula. Hinter den Serpentinen erreiche ich bei Höhe 1600 Meter den höchsten Punkt der Wanderung. Ab hier geht es bergab und ich verlasse die Ladera. 

Noch einmal der Teide
Im Vordergrund Blaue Tajinaste

Der Serpentinen-Weg

Im Tal ist Nebel

Drüsenginster

Zistrose

Kiefern treiben nach dem Brand wieder aus

Ein altes Wegezeichen

Die gelbe Raute mit einem Wanderer (oder einer Wanderin) sollen auf Enrique Talg Wyss, den Gründer des Hotels Tigaiga, zurückgehen. Er hatte in den 1950/60er Jahren die Ausschilderung von Wanderwegen angeregt. Das gelbe Rauten-Schild entspricht der Schweizer Wegeausschilderung. Talg`s Mutter war Schweizerin (der Vater kam aus Lüneburg) und während seiner Ausbildung war er auch in der Schweiz. 

Ein Dykes. Vulkanisches Magma wurde in eine Spalte
 gedrückt.
Hier weniger, im Anaga- und Teno-Gebirge oft anzutreffen.

Vulkan-Steine im Wald


Keine Sicht zur Küste

Noch einmal der Teide
Im Tal kommen die ersten Wolkern herauf

Der höchste Punkt der Wanderung

Blick auf die Canadas mit dem Observatorio

Es folgt der Platz der ehemaligen Choza del Almadi. Nach dem Waldbrand ist nur das Eisengerüst übriggeblieben. Ein Waldweg, eher eine Piste, quert den Forstweg, der jetzt als Pista la Orotava auf der Karte angezeigt wird. Bei manchen früheren Wanderungen bin ich hier Richtung Norden abgebogen und auf einem anderen Weg nach Nunca es lejos gegangen, vorbei am Cruz de Lajita auf dem Sattel der Ladera oberhalb von La Florida. 

Nur wenn man genau hinsieht, 
erkennt man das Eisengerippe der ehemaligen Choza Almadi

Das Waldgebiet wird von mehreren Barrancos geprägt. Zahlreiche Forstwege folgen den Barrancos. Man kann das Gebiet auf vielen Wegen durchqueren. Bei meinen Wanderungen nach Nunca es lecos bin ich im laufe der Zeite einige unterschiedliche Wegerouten gegangen. Allerdings muss man bei Abweichungen vom geplanten Weg aufpassen. Die Wanderung kann dann leicht länger werden, weil die Berge zwischen den Barrancos nicht überquert werden können. Bei meinen ersten Wanderungen (ich hatte damals auch nur ein einfaches Garmin-Gerät mit kleinem Display) ist mir das passiert. 

Ich habe eine nördliche Umgehung des Montaña las Ovejas (Berg der Schafe) gewählt, immer auf schönen breiten Forstwegen. Die Forstwege sind dem Gelände angepasst und verlaufen in weiten, manchmal spitzen Kurven, das Berggebiet hinunter. Nur einmal bin ich, hinter Cuatros Caminos, vom Forstweg abgewichen und habe eine etwas steilere und schmale Piste, wohl eine Mountainbike-Route, als Abkürzung gewählt. 

Kanarenmagerite

Weg-Ansicht

Ich bin im Naturschutzgebiet  Las Palomas

Insgesamt gibt es 43 Naturschutzgebiete auf Teneriffa: 
Nationalparks (Teide), Naturparks (Corona Forestal), Landschaftsschkutzgebiete (Las Lagunetas, Rambla de Castro und andere), Landschaftspark (Teno-Gebiet und Anaga-Gebiet), Besondere Naturschutzgebiete (Las Palomas, Chyniero und andere)

Es blüht am Wegesrand

Acker-Gauchheil

Cinerarien am Wegesrand

Ein alte Wegemarkierung
(hier am Montana de las Ovejas)

Matoespuma - Schaumblume 

Klatschmohn

Holzlager im Durchforstungsgebiet

Üppige Blumenpracht am Weg

An einer Spitzkehre steht die Pino las Mujeres, eine große Kanarische Kiefer. Warum sie so heißt? Vielleicht war es der Treffpunkt von Frauen, die hier ihre Waren tauschten? Früher sollen große Kanarische Kiefern als Orientierungspunkte gedient haben. 

Pino las Mujeres

Die nächste Wege-Marke auf der Komoot-Karte ist Cuatro Caminos. Vier Forstwege kreuzen sich hier. Das ganze Gebiet wird immer noch durchforstet und aufgeräumt. Die Verwüstungen des großen Brandes von 2023 sind noch nicht vollständig beseitigt. Die Forstarbeiter werden auch noch weitere Jahre brauchen. 

Blick zur Küste Richtung Puerto de la Cruz

Alte Wegeschilder am Cuatro Caminos

Blick zur Küste Richtung Santa Ursula

Die Abkürzung

Wieder auf dem Forstweg

Im Eukalyptus-Gebiet

Hinter Cuatros Caminos komme ich zu einem größeren Eukalyptus-Gebiet. Zunächst hatte ich nur den typischen Geruch von Eukalyptus in der Nase. Dann waren Eukalyptus-Büsche am Weg. Aber nicht die großen Bäume, manche über 10 Meter hoch, die ich in Erinnerung hatte. Die waren in großer Anzahl dem Feuer vor drei Jahren zum Opfer gefallen. 

Canal de Aguamansa - Santa Cruz
an der letzten Skitzkurve des Weges

Es folgt eine letzte Spitzkurve und danach ein langgestreckter Bogen, die Pista las Charcitas, der Weg der Pfützen. Ich sehe zwar keine Pfützen, dennoch wird der Name des Weges zutreffend sein. Der Weg durchquert den Eukalyptus-Hain und Eukalyptusbäume wachsen in feuchten Gebieten und brauchen viel Wasser. 

Die Pista erreicht den Camino de las Turcas, den Türkenweg. Mit Türken wird der Weg nichts zu tun haben, aber warum er so heißt, konnte ich bisher nicht erfahren. Der Camino beginnt an der Waldgrenze und führt sehr steil hinunter in die Ortschaft La Corujera von Santa Ursula. An der Waldgrenze, etwas unterhalb der Kreuzung mit dem Camino Candelaria, ist die Guachinche Nunca es lejos, eine der höchstgelegenen in Santa Ursula. Sie ist zurzeit allerdings geschlossen. Wahrscheinlich ist der Wein noch nicht ausgereift. Guachinchen dürfen so lange geöffnet sein, wie sie ihren eigenen Wein, meist Rotwein, verkaufen können. 

Ein erstes Karoffelfeld weit oberhalb von Santa Ursula

Blick hinunter nach Santa Ursula

Hundsrauke

Wegerichblättriger Natternkopf

Eine Schneeball-Art

Kapuzinerkresse

Nunca es lejos ist eine große Halle, mit dem Flair einer LKW-Garage, wie alle Guachinchen einfach eingerichtet. Im Mittelpunkt ist ein großer Holzgrill, auf dem leckere Steaks und Hühnchen zubereitet werden. Ich bin nach den Santa Ursula – Wanderung oft hier eingekehrt und habe gut gegessen und getrunken. Ein Alternative ist weiter unten die Guachinche El Salon del Cubano. Auch eine große Halle mit großem Holzgrill, interessant mit großen und kleinen Kabelrollen als Tische und Stühle eingerichtet. Auch hier war ich schon öfter. Aber El Cubano hat jetzt nur am Wochenende geöffnet.  


Also bin ich ohne Einkehr die steile Straße hinunter gegangen. Das ist anstrengender als die ganze Wanderung. Es gibt aber keine Alternative, außer ein PKW nimmt einen mit oder man begegnet einem Taxi. Und das kam mir, nachdem ich gut eineinhalb Kilometer hinunter gegangen bin, entgegen. Ich war entschlossen, nicht weiter zu Fuß zu gehen. Doch das Taxi war besetzt. Ich gab dem Fahrer ein Zeichen, dass ich gern ein Taxi hätte. Und tatsächlich kam in Corujera ein freies Taxi. Ich hatte Glück und brauchte nicht noch einmal weitere eineinhalb Kilometer hinunter bis zur Bushaltestelle gehen.

Weinreben unterhalb von Nunca es lejos

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