Wanderung Drakestraße und Teltowkanal

17. Juli 2026

Wanderung 6 Kilometer

Die Drakestraße in Lichterfelde-West, an der wir wohnen, ist mit der Erschließung der Villenkolonie Lichterfelde durch Anton von Carstenn (1822 – 1896) angelegt worden. Er hatte um 1865 die Güter Giesendorf und Lichterfelde gekauft und für die Ansiedlung gut situierter Berliner parzelliert. Die meisten Villen entstanden um 1900.

Die ab 1865 angelegte Drakestraße wird im Süden nach der Querung des Teltowkanals die Königsberger Straße und führt zum S-Bahnhof Lichterfelde-Ost, der wie der S-Bahnhof Lichterfelde-West (in der Nähe der Dakestraße im Norden) von Carstenn gebaut wurde. Der Straßenzug ist die Hauptverkehrsachse der Villenkolonie Lichterfelde. Sie ist nach dem Bildhauer Johann Friedrich Drake (1805 – 1882) benannt. Er schuf die „Goldelse“ (die „Viktoria“, Siegesgöttin und Schutzgöttin des römischen Kaisers) auf der Siegessäule im Großen Tiergarten in Berlin.

Der Teltowkanal wurde von 1900 bis 1906 als Schifffahrtsweg zur Verbindung der Dahme (Spree-Oder-Wasserstraße) mit der Havel (Havel-Wasserstraße) und als Regenwasserabfluss für den nördlichen Teil des Landkreises Teltow gebaut. Dabei wurde größtenteils das Flussbett des Bäkefließes (früherer Name: Telte) und der Lanke genutzt. Da der Schiffsverkehr stärker als erwartet wurde, mussten die Lastkähne zur Schonung der Ufer von elektrischen Treidel-Lokomotiven statt von Schleppschiffen durch den Kanal gezogen werden. Das war bis 1945 so. Danach ruhte wegen der innerberliner Grenze der Schiffsverkehr. Nach dem Transitabkommen 1981 wurde der Kanal für den Schiffsverkehr wieder geöffnet (ohne Treidel), wofür der Kanal entsprechend ausgebaut wurde.

Entlang des Teltowkanals ist östlich der Straßenbrücke eine kleine Parkanlage in dem ehemaligen Bäke-Tal entstanden. Der Promenadenweg parallel zum Kanal ist nach Eduard Spranger (1882 – 1963, ein in Groß-Lichterfelde geborener Pädagoge und Professor für Philosophie) benannt.

Unser Weg ist die Drakestraße hinunter. Vorbei an den Villen und großen Bürgerhäusern.

Das Steglitz-Museum
in einem Gründerzeithaus von 1902/1903

Villa Kuthe,
1903/1904 von Arnald Kuthe errichtet.
1896 hatte Arnold Kuthe ein Bauunternehmen und Architekturbüro eröffnet.

Im unteren Teil der Drakestraße wurde 1909 bis 1912, teilweise auf Gartenflächen der Villa Kuthe, ein Realgymnasium errichtet. Nach dem 2. Weltkrieg zog das „Lyzeum und Oberlyzeum der Gemeinde Berlin-Lichterfelde“ aus dem kriegsbeschädigten Gebäude an der Berliner Straße (heute Ostpreußendamm) in das Gebäude des Realgymnasiums an der Drakestraße um (das aufgelöst wurde), das 1951 in „Goethe-Schule“ umbenannt wurde und jetzt das „Goethe-Gymnasium Lichterfelde“ ist. Der Ursprung des Lyzeums Lichterfelde war eine 1872 gegründete Mädchenschule (Krahmersche höhere Mädchenschule).

Goethe-Gymnasium

Wadzek-Stiftung

Eine andere interessante Institution ist in einem Gebäude in der Nähe des Gymnasiums, die Wadzeck-Stiftung. Franz Daniel Friedrich Wadzeck (1762 – 1823) studierte Theologie und war Professor am königlichen Kadettenkorps in Lichterfelde (heute ist dort das Bundesarchiv untergebracht). Selbst in einem Waisenhaus aufgewachsen, eröffnete er 1819 das erste evangelische Waisenhaus Berlins in Berlin-Mitte für 50 Jungen und 25 Mädchen. Er finanzierte das schnell wachsende Waisenhaus mit seiner Pension und mit Spenden. Als er 1823 starb, übernahm ein „Verein zur Verwaltung der Wadzeck-Anstalt“ die Arbeit. 1931 zog die Anstalt von Mitte in die Limonenstraße in Lichterfelde. Im 2. Weltkrieg wurde das Haus zerbombt und nach mehreren Zwischenstationen erhielt die Stiftung 1948 die Villa an der Drakestraße, wo sich heute der Stiftungs-Sitz befindet. Die Stiftung betreut aktuell 120 Jugendliche (und deren Familien) durch heilpädagogische Beratung und Unterbringung der Jugendlichen an mehreren Standorten in Berlin und Brandenburg.

Das Postamt Lichterfelde wurde 1925 bis 1929
an der Straßenkreuzung an der Brücke über Teltowkanal gebaut.
Nach Aufgage des Postamtes wurde das Gebäude in Eigentumswohnungen umgebaut.

Der Teltowkanal in Richtung Bäkebrücke

Heizkraftwerk Lichterfelde, von der Kanalbrücke aus.
Errichtet wurde das Kraftwerk 1972 mit drei mit Schweröl betriebenen Heizblöcken. Die alten Anlagen wurden durch ein neues Gas- und Dampfturbinen Heizkraftwerk ersetzt. 
Eine Gasturbine erzeugt Strom. Die Abwärme der Gasturbine wird zur Erzeugung von Wasserdampf genutzt, mit dem ebenfalls Strom erzeugt wird, wodurch ein höherer Nutzungsgrad erreicht wird.

Hinter der Brücke über den Teltowkanal beginnt ein kleiner Park im ursprünglichen Bachbett der Bäke. Am Parkeingang erklärt eine Tafel den „1. Lichterfelder Discgolfplatz“. Angelegt wurde ervom Turn- und Sportverein Lichterfelde (gegründet 1887, mit fast 3.000  Mitgliedern der größte Sportverein im Bezirk Steglietz-Zehlendorf), dessen Sportanlagen an den Park anschließen.

Ein Discogolf-Korb im Park

Discgolf ist ein Frisbeesport-Spiel, bei dem von einem festgelegten Abwurfpunkt (Tee) mit möglichst wenigen Versuchen Frisbees in Körbe geworfen werden. Friesbees sind scheibenförmige Flugscheiben. Entstanden ist die Sportart in den USA. Ursprung soll eine runde Kuchenform der 1871 in Connecticut gegründeten Bäckerei „Frisbie Pie Company“ sein. Kinder begannen 1940, mit den weggeworfenen Formen zu spielen. Der Amerikaner Fred Morrison erfand daraus in Kalifornien seine „Flyin Cake Pan“-Flugscheibe aus Kunststoff. Amerikanische Studenten entwickelten das Ultimate-Friesbee. Zwei Mannschaften spielen darum, die Scheibe hinter dem Feld der gegnerischen Mannschaft zu fangen. Die andere Spielform ist Discogolf-Friesbee, bei der die Scheibe über eine Distanz mit möglichst wenigen Würfen in einen Korb geworfen wird (ähnlich wie beim Golfspiel).

Wir nehmen diesmal nicht den parallel zum Kanal angelegten Weg, die Spranger-Promenade, sondern den unmittelbar neben dem Kanal verlaufenden Pfad. Es dürfte die Trasse der ursprünglichen Treidel-Bahn sein. Am Eingang des Parks sind eine der bis 1945 eingesetzten Treidel-Locks und ein Teil eines Lastkahns ausgestellt.

Teile eines Treidel-Lastkahns an der Brücke über den Teltowkanal

Der Treidel-Pfad

Die ersten Brombeeren zum Naschen

Die Bäke-Brücke von unten

Das kann eine Indische Kermesbeere sein.
Sie stammt aus Südostasien, ist in Europa als Zierpflanze bekannt und wächst, von Vögeln verbreitet, auch wild.
In China wurde die Pflanze schon 1000 bis 500 v.Chr. als Arzneipflanze genutzt.

In der Mitte des Parks wird an Otto Lilienthal (1848 – 1896) erinnert. Er gründete eine Dampfkessel- und Maschinenfabrik, in der er auch seinen „Normalsegelapparat“ baute, ein Gleitflugzeug, dass durch Gewichtsverlagerung gesteuert wurde. Es war das erste in Serie gefertigte Flugzeug. Sein Bruder Georg Lichtenthal war Architekt, der mehrere Ritterburgen ähnliche Villen in Lichterfelde baute. 1912 veranlasste der „Verein deutscher Flugtechniker“ die Errichtung eines Denkmals für Otto Lilienthal. Die von dem Bildhauer Peter Breuer geschaffene Skulptur zeigt die griechische Figur des Ikarus (der mit seinen Flügeln der Sonne zu nah kam).

Lilienthal-Denkmal

Nahe dem Lilienthal-Denkmal befindet sich in einer ehemaligen Villa das Restaurant Tomasa mit einer großen Terrasse zum Park hin.  Ein guter Pausenort vor dem Rückweg.

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