Wanderung Grunewaldsee und Hundekehlesee

27. August 2026

Die beiden Seen gehören zur eiszeitlichen Grunewald-Seenkette, die mit dem Schlachtensee beginnt. Nach dem Schlachtensee und der angrenzenden Krummen Lanke wandern wir heute um diese Eiszeit-Seen.

Wanderung 9 Kilometer

Start an der Waldbaude an der Clayallee. Wir sind überrascht, wieviel Autos an dem Weg bis zum Chálet Suisse parken. Am Grunewaldsee wissen wir warum, es sind die Autos der vielen Hundebesitzer, die hierher, in das Hundeauslaufgebiet, gekommen sind.

Berlin hat die Wege im Grunewald gutausgebaut, meistens sind es breite Forstwege, auf denen wir gehen. Zunächst bis zum Schloss Grunewald. Die Dächer der Wirtschaftsgebäude werden gerade neu gedeckt.

Das Jagdzeugmagazin erhält ein neues Dach

Die Wetterfahne glänzt im Sonnenlicht

In dem Wirtschaftsgebäude gegenüber dem Schloss richtete Friedrich der Große 1770 ein Jagdzeugmagazin ein. Er hatte im Gegensatz zu seinen Vor- und Nachfahren wenig Interesse an der Jagd und ließ Jagdwagen und Jagdutensilien aus verschiedenen Schlössern hier zusammentragen. Bis zur Auflösung des kaiserlichen Jagdreviers 1904 wurde das Magazin genutzt. Danach war es als Pferdestall und Wagenremise. 1977 wurde eine Jagdsammlung eingerichtet.

Das Jagdschloss Grunewald ist Berlins ältester Schlossbau. Kurfürst Joachim II. von Brandenburg ließ das Schloss „Zum grünen Walde“ ab 1542 für seine Jagdaufenthalte bauen. Um zum Jagdschloss zu kommen, ließ der Kurfürst einen Knüppeldamm durch sumpfiges Gelände von seinem Stadtschloss aus anlegen. Es war der Vorläufer des Kurfürstendamm.

Für seine Hofkirche im Dominikanerkloster in der damals selbständigen Stadt Köln (neben der Stadt Berlin) ließ er von Lukas Cranach einen Passions-Zyklus als Altaraufsatz malen. Neun Mitteltafeln sind noch erhalten und jetzt im Schloss Grunewald ausgestellt.

Ein weiteres Jagdschloss ließ Joachim II.  in Köpenick auf den Grundmauern einer früheren Burg bauen. Seine Bauten und seine aufwändige Hofhaltung führten zu hohen Schulden. Um seine Einnahmen zu erhöhen, ließ er ab 1539 wieder die Ansiedlung von (reichen) Juden in der Mark Brandenburg zu, die er mit hohen Steuern belegte.

Neben Schlossbesichtigungen organisiert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin/Brandenburg, die das Jagdschloss bewirtschaftet, ein umfangreiches kulturelles Angebot mit Konzerten und Aufführungen verschiedener Bühnen und freier Träger. Groß ist das Angebot an Märchenaufführungen für Kinder und Familien.

Es folgt der Hundekehlegraben im Hundekehlefenn. Es ist eine sumpfig-morastige Senke, zum Teil auch trockengefallen, zwischen dem Grunewaldsee und dem Hundekehlesee.

Hundekehlengraben

Wiese im Hundekehlefenn an der Königsallee

Der Wanderweg stößt auf die Königsallee, die wir überqueren. Die Königsallee verläuft etwa parallel zur AVUS durch den südwestlichen Teil des Grünewalds. Benannt ist sie nach dem Bankier Felix König, der Ende des 19. Jahrhunderts Mitbegründer der Villenkolonie Grunewald wurde.

Die Villenkolonie Grunewald wurde von der Kurfürstendamm-Gesellschaft entwickelt. Sie wurde 1882 zum Bau des Kurfürstendamms gegründet. Zur Finanzierung hatte die Gesellschaft ein Vorkaufsrecht über 234 Hektar Baugelände im Grunewald. An der Gesellschaft waren die Deutsche Bank und die Berliner Handelsgesellschaft (die später die BHF-Bank wurde) maßgeblich beteiligt. Einer der treibenden Kräfte hinter dem Ausbau des Kurfürstendamms war Reichskanzler von Bismarck. Er wollte für Berlin eine Prachtstraße, wie den Champs-Élysée in Paris, den er während der Gründung des Deutschen Kaiserreichs in Paris erlebt hatte.

Um die Villenkolonie zu entwickeln, musste zuvor der sumpfige Grunewald entwässert werden. Dazu wurden Dianasee, Koenigssee, Herthasee und Hubertssee östlich der bestehenden Grunewaldsee und Hundekehlesee angelegt. Die Kurfürstendamm-Gesellschaft konnte die parzellierten Grundstücke mit hohem Gewinn verkaufen. Die Käufer der Parzellen zahlten in dem damalig selbständigen Charlottenburg viel niedrigere Kommunalsteuern als in Berlin.

Nach der Königsallee führt der Weg zum Hundekehlesee und an seinem Westufer bis zum Steffi-Graf-Tennisstadion. Der Name Hundekehle soll auf  den Begriff "Hundequelle" zurückgehen. Das war eine Sammelstelle für die Hundemeute bei Treibjagden.

Blick hinüber zum anderen Ufer

Das Tennisstadion wurde 1996 auf dem Gelände des Lawn-Tennis-Turnier-Clubs (lawn, engl. Rasen) gebaut und 2004 nach Steffi Graf benannt. Der Tennisclub wurde 1897 gegründet und ist einer der ältesten Tennisclubs in Deutschland. Steffi Graf ist mit 22 gewonnen Grand-Slam-Turnieren (das sind die Australien Open, French Open, Wimbledon und die US Open) eine der erfolgreichsten Spielerinnen der Tennisgeschichte. Die German Open in Berlin hat sie mehrmals hintereinander gewonnen.

Steffi-Graf-Tennisstadion

Zurück gehen wir entlang der Bahntrasse und dann auf Forstwegen bis zur Königsallee. Wir gehen weiter auf der westlichen Seite des Hundekehlefenn und des Grunewaldsees bis zum Forsthaus Paulsborn.

Auf dem Rückweg sehen wir Schloss Grunewald
auf der anderen Uferseite

Born bedeutet im Mittelhochdeutschen eine Quelle oder einen Brunnen. Das soll aber nicht die Herkunft von Paulsborn sein. Vielmehr erwarb 1769 ein preußischer Offizier von Born das Grundstück am Grunewald und baute sich ein Anwesen, vielleicht auch nur eine Hütte. Das Anwesen kaufte 1802 der Jagdzeugwärter (angestellt im Jagdschloss Grunewald?) Johann Paul und eröffnete eine Gaststätte, die er Paulsborn nannte. 1846 kaufte der preußische Staat die Gaststätte für das Königliches Forstamt. Die Nutzung dauerte nicht lange, das Forstamt wurde nach Dahlem verlegt. Paulsborn wurde wieder eine Gaststätte und 1905 das heutige Gebäude errichtet.

Restaurant Forsthaus Paulsborn

In der Gastwirtschaft im Forsthaus Paulsborn, jetzt ein italienisches Restaurant, kehren wir ein. Das Restaurant hatte eine geschlossene Gesellschaft, aber die Selbstbedienungsstände standen bereit. Kaffee und Kuchen waren gut, allerdings mit Papptellern und Pappbechern und von dem Niveau abweichend, mit ordentlichen Restaurantpreisen.

Von Paulsborn gehen wir zurück zum Jagdschloss und weiter zum Park-Weg hinter dem Chálet Suisse.


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