Fahrradtour Umrundung Berlin
3. Teil: Mühlenbeck bis Staaken
25. August 2026
Der Berliner Mauerweg umrundet Westberlin auf dem ehemaligen Mauerstreifen der 1961 errichteten Sperrmauer zwischen Westberlin und der DDR sowie Ostberlins. Er umrundet den Westteil Berlins, die ehemaligen West-Sektoren der damals geteilten Stadt. Ich wollte die gesamte Stadt umfahren, auch den Ostteil Berlins.
Im letzten Jahr bin ich eine erste Teilstrecke von Lichterfelde-Süd bis nach Erkner gefahren. Die zweite Strecke war von Erkner bis Mühlenbeck im Norden Berlins. Jetzt starte ich in Mühlenbeck die dritte Teilstrecke, von Mühlenbeck bis Staaken im Westen der Stadt.
Die Tour beginnt am S-Bahnhof Mühlenbeck. Beim Klöppchensee südlich von Schildow stoße ich auf den Berliner Mauerweg.
Mühlenbeck liegt am Tegeler Fließ, eine eiszeitliche Rinne bis zum Tegeler See. Im 13. Jahrhundert bewirtschafteten Mönche des Zisterzienserklosters Lehnin hier Ländereien. 1224 unterhielten sie einen Wirtschaftshof, um den herum sich Bauern ansiedelten.
Um das Jahr 1230 herum bauten sie eine Wassermühle, für die sie das Wasser des Tegeler Fließ mit einem 100 Meter langen Damm anstauten, um eine Wasserfallhöhe von 4 Metern zu erreichen. Auf dem Damm verläuft die heutige Mönchmühlenallee. Die Feldsteinfundamente der Mühle unmittelbar am Damm sind heute noch erhalten. Das Mühlengebäude selbst erfuhr über die Jahrhunderte mehrfache Veränderungen. Bis 1973 wurde hier gemahlen. Zuletzt wurde das Gebäude 2011 saniert und teilweise erneuert. Seitdem unterhält ein Förderverein die Mühle und nutzt das Mühlenrad zur Stromerzeugung.
Der nächste Ort im Tal des
Tegeler Fließ ist Schildow. 1476 erwirbt das Kloster Lehnin Schildow.
Davor waren die Bauern lehenabgabepflichtig gegenüber den Nonnen des Klosters
Spandau (dazu mehr bei der nächsten Tour) und einem Ritter zu Hoppenrade. 1505,
also schon vor der Reformation und der darauffolgenden Säkularisierung der Klöster,
kam Schildow in den Besitz des Kurfürsten von Brandenburg.
Hinter Schildow, in der
Nähe des Köppchensees, komme ich auf den von Süden kommenden Berliner
Mauerweg. Hier ist das Grenzdreieck des Westberliner Bezirks Reinickendorf und
des Ostberliner Bezirks Pankow mit dem Land Brandenburg.
Die Mauer-Grenze folgt dem Tegeler
Fließ auf der südlichen Seite. Ich wähle einen Weg nördlich des Fließ und komme
bei Glienicke/Nordbahn auf den eigentlichen Mauerweg.
Das
Tegeler Fließ ist als Gletscher-Schmelzwasserrinne
zum Ende der letzten Eiszeit (Weichseleiszeit vor mehr als 10.000 Jahren, wie
viele andere Seen in Berlin) entstanden und mündet in den Tegeler See der
Havel. Der Bau von Wassermühlen in Mühlenbeck bei Schildow und in Tegel um das
Jahr 1450 führte zu Aufstauungen des Wassers und dadurch zu Vermoorungen. Im 19. Jahrhundert
wurden Entwässerungsgräben angelegt um die Moorwiesen landwirtschaftlich
besser nutzen zu können. Durch Torfabbau ist der Klöppchensee
entstanden.
Südlich des Tegeler Fließ liegt der
Westberliner Ortsteile Lübars. Im Norden ist auf Brandenburger Gebiet
die Ortschaft Glienicke/Nordbahn.
Glienicke/Nordbahn in Brandenburg existierte als Glyneck Anfang des 15.
Jahrhunderts und war Lehensbesitz des Brandenburgischen Kurfürsten. Der Zusatz
„Nordbahn“ wurde wegen der Nähe zu der Ende des 19. Jahrhunderts gebauten Nordbahn,
die Eisenbahnstrecke Berlin-Strahlsund, hinzugefügt.
Lübars gehört zum Berliner Bezirk Reinickendorf. Es ist, wohl Dank seiner
Randlage, noch immer landwirtschaftlich geprägt und hat mit Alt-Lübars eine
erhaltene Dorfstruktur. Das Dorf wurde im Zuge der deutschen Ostsiedlung als
Angerdorf gegründet und gehörte dem Benediktinerinnenkloster Spandau. 1920
wurde Lübars im Zuge der Bildung von Groß-Berlin nach Berlin eingemeindet.
Hermsdorf gehört ebenfalls zum Bezirk Reinickendorf. Ende des
11. Jahrhundert entstand eine slawische Siedlung am Tegeler Fließ. Ab 1230
bestimmten zugezogene deutsche Siedler den Dorfcharakter. In dieser Zeit
entstand wahrscheinlich auch eine erste Holzkirche, deren Spuren man bei
Ausgrabungen fand. Damals hieß der Ort „Hermanstorp“ (so im Landbuch Karls IV.
erwähnt).
Die Grenze und der Mauerweg verlassen das Tegeler Fließ südlich von Glienicke/Nordbahn und verlaufen in nord-westlicher Richtung hin zur Oranieburger Chaussee. Der ehemalige Mauerstreifen ist hier kaum zu erkennen. Nach 1991 wurden wurden die Flächen des Grenzstreifens privatisiert und zur Bebauung freigegeben.
Die Grenze verläuft westlich und
östlich der Oranienburger Chaussee (B 96) nach Norden (ich fahre entlang der
Oranienburger Chaussee). Zu Beginn hat die Grenze eine keilförmige Erweiterung
nach Westen, so dass ein Geländedreieck Brandenburger Gebiet nach Westberlin
hineinragte, der sogen. „Entenschnabel“. Dass die DDR-Grenzsicherung
nicht in voller Breite möglich war, durften nur „zuverlässige“ Bürger in dem
schmalen Dreieck wohnen.
Damit sollten Fluchtversuche mit Hilfe von
Fluchttunneln verhindert werden. Vom Entenschnabel aus gab es auch keine
Tunnel. Aber gleich in der Nähe, auf der östlichen Seite der Bundesstraße wurde
1963 ein Tunnel erfolgreich gegraben (Agaard-Tunnel). 13 Menschen konnten darin
in den Westen fliehen. Insgesamt soll es 70 bis 80 Fluchttunnelprojekte während
der deutschen Teilung gegeben haben. Nicht alle waren erfolgreich.
Es folgt der nördlichste See
Berlins, der Hubertussee bei Frohnau. Er entstand bei der Entwicklung
der Gartenstadt Frohnau.
Frohnau liegt westlich der B 96, östlich ist
Glienicke/Nordbahn. Frohnau lag in Estberlin, Glienicke/Nordbahn gehörte zu
Ostberlin. Frohnau wurde ab 1905 als Villen- und Landhaussiedlung durch den Industriellen
Fürst Henckel von Donnersmark entwickelt. Dazu erwarb er große Flächen der
Stolper Heide. Der erste Weltkrieg verhinderte den geplanten Ausbau der
Siedlung bis zum Hubertussee.
Vor Hohen Neuendorf („Hohen“
Neuendorf zur Unterscheidung von „Nieder“ Neuendorf bei Hennigsdorf) quert die
Radstrecke (und die damalige Grenzmauer) die S-Bahn Gleise nach Oranienburg und
verläuft dann wieder nach Süden. Frohnau wird quasi umrundet. Hohen Neuendorf ist erst durch den Bau der
Nordbahn Ende des 19. Jahrhunderts von
einem kleinen Dorf zu einer Stadt gewachsen.
An der Bahnstrecke befindet sich
die sogen. Invalidensiedlung. Sie war vor der Wiedervereinigung durch
die Grenzmauer und die Bahn-Trasse abgesperrt und hatte nur über eine Straße
nach Frohnau Verbindung zu Westberlin. Entstanden ist die Invalidensiedlung 1938
durch die Wehrmacht. Sie errichtet dort eine Wohnsiedlung als Ersatz für die Insassen
des Invalidenhauses an der Invalidenstraße in Berlin, in das die
Militärärztliche Akademie einzog.
Das
Invalidenhaus war 1748 auf Initiative
des Preußischen Königs für Kriegsinvaliden errichtet worden. Es war eine der
ältesten Einrichtungen der Kriegsopferfürsorge im deutschsprachigen Raum. Auch
verheiratete Soldaten konnten dort mit ihren Frauen wohnen. Es hatte
umfangreichen Landbesitz zur Selbstversorgung.
Die Grenzlinie umgeht Frohnau und
schwenkt dann nach Westen durch die Stolper Heide Richtung Havel ab. Die Grenze
verläuft ab hier in der Mitte der Havel nach Süden bis zur Höhe Konradshöhe
am östlichen Ufer. Auf Westberliner Gebiet liegen die zum Bezirk Reinickendorf
gehörenden Ortschaften Heiligensee. Konradshöhe und Tegelort.
Westlich der Havel befindet sich die Brandenburger Stadt Henningsdorf.
Henningsdorf wird als Fischer- und Bauerndorf 1375 im Landbuch der
Mark Brandenburg (Kaiser Karl IV. übernahm die Markgrafschaft Brandenburg und
ließ seinen neuen Besitz erfassen) als Heynekendorp und Henekendorf (Dorf des Heyneke oder Heneke) aufgeführt.
Anfang des 20. Jahrhunderts begann die industrielle Entwicklung. 1910 eröffnete
die AEG ihre Abteilung Flugzeugbau. Zu Beginn des 1. Weltkriegs verlegte
die AEG außerdem den Bau von Elektrolokomotiven von Berlin nach Henningsdorf. Die
AEG bekam den Schienenfahrzeugbau nach der Wiedervereinigung zurück. Nach
mehreren Eigentümerwechseln gehört das Werk jetzt zum französische Alstom-Konzern.
Die neuen Straßenbahnen Berlins kommen aus dem Hennigsdorfer Alstom-Werk.
Das Denkmal ist geblieben,
Gegenüber Konradshöhe
verlässt die Grenze die Havel in westlicher Richtung und umgeht den Spandauer
Forst. Die westliche Spitze des Spandauer Forstes ist das Gebiet Eiskeller.
In
Eiskeller werden im Winter deutlich niedrigere
Temperaturen als im Berliner Stadtgebiet gemessen werden. Im Sommer kann es
wärmer als in der Umgebung werden. Auf den Berliner Wetterkarten werden immer
auch die Temperaturen in Eiskeller angegeben. Der Name Eiskeller, ursprünglich
hieß das Gebiet Kienhorst oder Teufelsbruchwiese, erhielt das Gebiet, weil dort
im Winter Eis aus dem Falkenhagener See gelagert wurde, das an
Brauereien zur Kühlung verkauft wurde.
Der weitere Grenzverlauf ist
zwischen der Brandenburger Stadt Falkensee und dem Ortsteil Staaken des
Westberliner Bezirks Spandau.
Staaken besteht aus dem historischen Dorf mit der
Dorfkirche Alt-Staaken, der 1914 bis 1917 gebauten Wohnungs-genossenchaftsiedlung
Gartenstadt Staaken nördlich des Dorfes, Neustaaken mit der in den
1970er Jahren errichtete Großsiedlung Heerstraße-Nord (u.a. mit der
Obstallee-Siedlung der GSW), die 1925 fertiggestellte Siedlung Neu-Jerusalem
für Angehörige der damaligen Fliegerakademie und des Luftschiffhafens
Staaken und der Siedlung Hahneberg nahe dem Fort Hahneberg.
Bei Staaken verläuft die Mauer-Grenze nicht entsprechend dem Grenzverlauf zwischen Brandenburg und Berlin um Staaken herum. Die Berliner Mauer wurde 1961 mitten durch Staaken errichtet und trennte Staaken in einen Ost- und einen Westteil. Die Grenze war der Finkenkruger Weg/Bergstraße. Der Westteil war DDR-Gebiet, der Ostteil gehörte zu Westberlin.
West-Staaken kam 1945 abweichend von der Berliner Stadtgrenze zum sowjetisch besetzen Gebiet. Der Grund war ein Gebietstausch mit der britischen Besatzungsmacht. Die brauchte in Gatow Flächen in der sowjetischen Zone für die Flugschneise ihres Flugplatzes. Dafür erhielten die Sowjets West-Staaken. Zunächst wurde West-Staaken weiter vom Spandauer Rathaus verwaltet. Die Bewohner konnten 1950 auch an den Wahlen zum West-Berliner Abgeordnetenhaus teilnehmen. Erst 1951 besetzte die DDR-Volkpolizei den Stadtteil und die Verwaltung wurde der Brandenburger Gemeinde Falkensee übertragen.
Ich fahre den Mauerweg entlang
des Finkenkruger Wegs, vorbei an der Erinnerungstafel für die
abgerissene Franziskuskirche. Die Kirche der Gartenstadt Staaken lag im
Sperrgebiet der Innerdeutschen Grenze, ab 1953 durften Gläubige des Ostteils
der Gartenstadt die Kirche nicht mehr besuchen. 1988, also kurz vor der
Wiedervereinigung, wurde sie von den DDR-Behörden abgerissen.
Anders erging es der weiter
südlich im Grenzgebiet liegenden Dorfkirche Alt-Staaken, die um 1440
herum errichtet wurde. Hier wurde nur das Pfarrhaus abgerissen. Die Kirche
durfte, obwohl im Sperrgebiet gelegen, bestehen bleiben und auch als Kirche
genutzt werden. Allerdings durften nur in West-Staaken polizeilich gemeldete
Kirchenmitglieder die Kirche betreten.
Die
Dorfkirche erhielt ihre jetzige Form
1837 mit einer klassizistischen Umgestaltung und Erhöhung der Mauern des
Kirchenschiffs. Der Ursprung des Kirchenbaus reicht bis in die 1. Hälfte des
15. Jahrhunderts. Damals wurde nach einem Dorfbrand die Kirche aus Feldsteinen
errichtet. Eine erste Kirche muss schon Anfang des 14. Jahrhunderts bestanden
haben, da Staaken als Pfarrdorf bezeichnet wird, ein Dorf mit einer Kirche.
Landbesitz in Staaken hatte seit 1273 das Benediktinerinnenkloster Spandau.
An der
Dorfkirche beende ich den dritten Abschnitt meiner Berlin-Umfahrung. Auf dem
Brunsbütteler Damm fahre ich bis zum Spandau und dann mit der S-Bahn weiter.
🔄Link zum 1. Abschnitt: Lichterfelde-Süd bis Erkner
🔄Link zum 2. Abschnitt: Erkner bis Mühlenbeck