Taoro-Wanderung
Start bei uns in La Paz. Die Hauptstraße mit dem langen Namen, Avenida Marques de Villanueva del Prado, in die Stadt hinunter.
Der Name der Straße ehrt den Marques de
Villanueva del Prado. Welchem Marques die Ehrung gilt, war im Internet
nicht herauszufinden. Erster Marques war der 1615 in La Laguna geborene Thomás
de Nava y Grimón. Er war Ratsherr der Insel Teneriffa (es gab noch keine
selbständigen Gemeinden) und erhielt 1666 vom spanischen König Carlos II. aus
dem Hause Habsburg den Titel eines Marques. Inzwischen gibt es den 11.
Marques: Manuel de Quintana y Sáez, Architekt und Professor an der
Universität von La Laguna.
Wahrscheinlich gilt die Ehrung dem 6. Marques de Villanueva del Prado, Alonso de Nava y Grimón (1757 – 1832) aus La Laguna. Er war von dem spanischen König Karl III. mit der Gründung eines Akklimatisierungsgarten beauftragt worden (exotische Pflanzen aus den spanischen Kolonien sollten auf Teneriffa an das Klima Spaniens angepasst werden, was allerdings nicht funktionierte). Das Land für den Garten stellte der Schwiegervater des Marques, Besitzer der Ländereien von El Durazno. Dessen Familie erhielt den umfangreichen Besitz im Orotava-Tal 1502 von dem Eroberer Teneriffas, Alonso Fernández de Lugo. Der Besitz umfasste 100 Fanegas bewässertes Land und 300 Fanegas Trockenland (ein Fanega (Flächenmaß) war die Fläche Land, um eine Fanega (Volumenmaß) Getreide zu produzieren, das waren etwa 5.200 m², ein halber Hektar.). Zu den Ländereien gehörte auch das bekannte Herrenhaus Abaco (heute das Restaurant Tito`s Tenerife).
Am Beginn der Avenida (Allee, Hauptverkehrsstraße) ist der vom 6. Marques begründete Jardín Botánico de la Aclimatación de La Orotava (Puerto de la Cruz war damals Teil der Stadt Orotava). Es folgt das Canariy-Center, ein Einkaufszentrum im Bungalowstil errichtet, mit Boutiquen und Restaurants, u.a. die „Tiroler Alm“, geführt von Manuela und Leo, die zuvor im Innenbereich des Centers waren. Das davor gelegene Restaurant „Al Contrario“, früher das spanische „Magnolia“, ist wegen zu hoher Mietforderung der Apartmentanlage Molino Blanco geschlossen. Das auf der anderen Straßenseite gelegene, zur Loropark-Gruppe gehörende, Hotel Botanico ist im vergangen Jahr gründlich renoviert worden, um seinen Platz als erstes Hotel am Ort gegenüber dem neu eröffneten Taoro-Hotel zu behaupten.
Die an die Avenida angrenzenden Stadtteile von Puerto de la Cruz sind La Paz und El Botanico. Wo die Stadtteilgrenzen verlaufen, konnte ich nirgends finden. In einer amtlichen Mitteilung wird die Straße Calle Camelia, an der unsere Wohnanlage liegt, beiden Stadtteilen zugeordnet.
Zur Altstadt von Puerto dürfte der kleine Garten Sitio Litre, an der Avenida gelegen, gehören. Es ist einer der ältesten (oder der älteste) Privatgärten in Puerto. 1774 wurde er durch den britischen Kaufmann Archibald Little, der sich auf Teneriffa Litre nannte, angelegt. Er hatte zuvor das Grundstück mit dem um 1730 erbauten Haus erworben.
Es folgt auf der rechten Straßenseite das Hochhaus Belair. Gegenüber befindet sich der Taoro-Berg, unser Ziel. Man kann von der Avenida aus die Treppen hinauf gehen, oder die mit etwas langgezogener Steigung zum Taoro führende Straße wählen. Wir gehen diesmal die Straße.
Der Taoro-Berg ist einer von
drei erloschenen Vulkankegeln im Gebiet von Puerto de la Cruz und Los
Realejos. Die anderen ehemaligen Vulkane sind der Berg Las Arenas (jetzt mit
dem Hotel Las Aguilas) diesseits der Autobahn und der Montaña Los Frailes
gegenüber der Autobahn (jetzt mit der Restaurant-Anlage Monasterio am Fuß des
Aschekegels).
1892 wurde das „Britisch Grand Hotel Taoro“ als
erstes großes Luxushotel auf der Insel eröffnet. Damals kamen zumeist englische
Kurgäste, um sich in dem milden Klima des Orotava-Tals zu erholen. Für
den Hotelbau wurde die Spitze des Vulkanberges abgetragen.
1929 brannte
das Gebäude teilweise ab und wurde wiederaufgebaut. Von 1935 bis 1950 war Enrique
Talg-Schulz Pächter des Hotels (mit seinem Sohn Enrique Talg-Wyss baute er
1958 das Hotel Tigaiga, s.u.).
Nachdem 1945 die Inselregierung das
Hotel gekauft hatte, wurde es 1950 an die spanische Hotelgruppe HUSA
vermietet (die 1930 gegründete HUSA-Hotelgruppe ist mit 160 nationalen und
internationalen Hotels eine der größten Hotelketten in Spanien). Das
funktionierte bis 1975, als das inzwischen veraltete Hotel geschlossen wurde.
1979 bis 2006 wurde in dem Gebäude ein Spielcasino betrieben, das im
Juli 2006 in das Schwimmbad Lago Martiánez verlegt wurde. Seitdem stand das
Hotelgebäude leer. Wir kennen das Hotel auch nur als
Casino-Gebäude.
2019 hat die Inselregierung das Hotel an eine Hotelgesellschaft vermietet, die es mit finanzieller Beteiligung der Inselregierung umfassend sanierte. 2025 wurde das Haus als 5-Sterne-Hotel von der Firmengruppe Tropical Touristica Canaria eröffnet. Zu der Gruppe gehört auch das Alabama Hotel Resort im Süden der Insel. Die Tropical Touristica Canaria gehört dem spanischen Medienkonzern Prisa (mit der Zeitung El Pais und mehreren Rundfunk- und Fernsehsendern) der Familie Polanco.
Mit dem Hotel entstand auf dem Taoro-Berg eine
große Parkanlage. Die Anlage besteht aus zwei Teilen. Vor dem Hotel, zur
See-Seite hin, ist der Park La Atalaya (Ausguck). Er wird oft auch als
Mirador de la Atalaya bezeichnet, weil man von hier einen sehr schönen Blick
über die Stadt Puerto de la Cruz hat. Den Berghang hinauf führt eine
Treppenanlage mit mehreren Plattformen (wir sind die Carretera Taoro neben der
Treppenanlage gegangen), begleitet von Blumenbeeten, Wasserläufen und einem
Wasserfall. Der Aussichtspunkt ist der kubanischen Dichterin Dulce Maria Loynanz
gewidmet, an die eine Büste erinnert.
Dulce Maria
Loynaz (Dulce María Loynaz de Alvarez de Cañas, 1903 – 1997), war
eine kubanische Dichterin, die in den 1920er Jahren mehrmals auf Teneriffa und
mit der Insel verbunden war (ähnlich wie Agatha Christie). Eine ihrer
Erzählungen, „Un Verano en Tenerife“, erinnert an ihre Aufenthalte. Sie ist Ehrenbürgerin von Puerto de la Cruz.
Hinter dem Hotel Taoro, zur Teide-Seite hin, ist der Taoro-Park mit dem Camino de la Sortija. Das ist eine Anlage für Reiterspiele, den Sortija, die wohl zur Zeit der Hotel-Eröffnung Mode waren.
Bei der Sortija müssen Reiter einen in 2 - 3 Meter Höhe angebrachten Ring im Galopp mit einem Stock stechen. Das Spiel geht auf mittelalterliche Turniere zurück und wurde im 17. Jahrhundert in Argentinien von den Gauchos, den Rinderhirten, übernommen. In England wird es noch heute als „Maunted Games“ gespielt und in Norddeutschland kennt man es als Ringreiten.
Bei der Sortija müssen Reiter einen in 2 - 3
Meter Höhe angebrachten Ring im Galopp mit einem Stock stechen. Das Spiel geht
auf mittelalterliche Turniere zurück und wurde im 17. Jahrhundert in
Argentinien von den Gauchos, den Rinderhirten, übernommen. In England wird es
noch heute als „Maunted Games“ gespielt und in Norddeutschland kennt man es als
Ringreiten.
Teil der Parkanlage ist die englische Kirche „All Saints“, Allerheiligen. 1891 fand der
erste Gottesdienst in der Kirche statt. Es ist die älteste anglikanische Kirche
in Spanien. Der Bau der Kirche war eine Art Tourismus-Förderung. Zum Ende des
19. Jahrhunderts kamen immer mehr Mitglieder der englischen Oberschicht auf die
Kanarischen Inseln, um ihre Lungenleiden auszukurieren. Als eine Maßnahme zur
Verbesserung der touristischen Infrastruktur wurde der Bau einer anglikanischen
Kirche angesehen. Die Geschäftsleitung
des Grand British Hotel überließ der anglikanischen Gemeinde ein
Grundstück in dem heutigen Taoro-Park mit der Auflage, dort eine Kirche zu
bauen. Die Finanzierung erfolgte durch Spenden der in Puerto wohnenden
Mitglieder der Gemeinde. Die deutsche evangelische Kirchengemeinde hat ihren sonntäglichen
Gottesdienst in der englischen Kirche.
Seit dem 16. Jahrhundert waren englische Kaufleute in
Puerto ansässig und bildeten eine anglikanische Kirchengemeinde. Ihren Gottesdienst feierten sie in
Privathäusern, nachdem es ab 1605 in Spanien lebenden Engländern erlaubt war, privat
und in ihren Häusern Gottesdienste abzuhalten.
1747 erhielten sie die Genehmigung
für die Errichtung eines Friedhofs, denn als Nicht-Katholiken durften sie nicht
auf dem allgemeinen Friedhof begraben werden. Dieser Friedhof besteht noch
heute in der Nähe des Castillo San Felipe.
Neben dem Taoro-Hotel steht seit 1958 das Hotel
Tigaiga, das zu den führenden Hotels in Puerto geört. Wie das Hotel
Botanico zeichnet sich auch das Tigaiga durch eine große Gartenanlage aus. Der
Hotel-Gründer, Heinz Talg-Schulz, war ein Deutscher, der 1950 die
spanische Staatsbürgerschaft erhielt und seinen Vornamen in Enrique veränderte,
was für die Spanier besser auszusprechen war. Sein Sohn hieß ebenfalls Enrique
und bekam von seiner Schweizer Mutter den Namensteil „Wyss“, Enrique Talg-Wyss.
Das Hotel wird noch heute von der Familie geführt
Vor dem Hotel Tigaiga biegt die Via de Malpais
von der Carretera Taoro ab. Der Straßenname erinnert an den Ursprung des
Taoro-Parks. Es war ein Lavafeld, „Mal Pais“ (schlechtes Land). Früher hieß der
Berg darum auch Monte Miseria, Berg des Elends. An einigen Stellen im Park hat
man die ursprüngliche Landschaft mit Picon und Lavafelsen belassen.
Am Ende der Mal Pais kommen wir zu Alberto. Ein
kleines Restaurant, von dessen Terrasse man auf den Loropark und Punta Brava
und weiter die Küste entlang schaut. Von hier aus gehen wir hinunter in die
Stadt, auf einem Weg, den man kennen muss. Er hat keinen Namen und ist auch
nicht ausgeschildert. Ein paar Hausruinen beweisen, dass man hier vor einer
Reihe von Jahren noch wohnte und wohl auch Gärten hatte. Ein Abzweig des Weges
führt neben dem Hotel Tigaiga zum Taoro-Park. Wir gehen den „Hauptweg“ und an
dessen Ende über eine lange Treppe hinunter auf die Hauptstraße in die Stadt
und weiter auf einer kleinen Gasse.
Hier stehen vier historische Kalköfen, die „Hornos
de Cal“. Der gebrannte Kalk wurde früher als Baumaterial verwendet.
Ursprünglich wurden die Öfen mit Besenheide befeuert. Später wurden sie mit
Kohle betrieben, die auf Segelbooten von Gran Canaria nach Puerto gebracht
wurden (und aus englischen Kohleminen kamen?). Kalkstein wurde von den anderen
kanarischen Inseln, insbesondere von Fuerteventura, als Ballastladung nach
Puerto gebracht. Die noch erhaltenen Kohleöfen wurden Ende des 19. / Anfang des
20. Jahrhunderts an der Stelle vorheriger Öfen gebaut. Kalköfen soll es bereits
im 17. Jahrhundert gegeben haben. Das Geschäft funktionierte bis 1940, als der
Kalk durch Industriezement ersetzt wurde.
Es folgt der Plaza del Charco, der Platz der
Pfützen. Vor der Pflasterung des Platzes (1880) wurde er oft vom Meerwasser
überflutet und Pfützen blieben zurück. Angeblich wurden in den Tümpeln Garnelen
gezüchtet (Camerones. Der Platz soll darum auch als „Plaza del Charco de los
Camerones“ bezeichnet worden sein). Heute ist der Charco ein wichtiger
Stadtplatz. Bis vor kurzem traf man sich unter den Schirmen des Café Columbus,
dass leider von den Erben der Restaurant-Familie Moll aus Köln geschlossen
wurde (wie auch das Café de Paris). Jedes Jahr wird am Charco die Bühne für die
Weihnachts- und die Neujahrskonzerte der Stadt aufgebaut.
Am Hafen gehen wir heute nur vorbei. Sonst bin ich
hier öfter im Chiringuito Pipo auf ein Glas Rotwein eingekehrt. Die
Chiringuito (übersetzt Imbissbude oder Strandbar) ist eine urige Hafenpinte mit
Tischen im Freien. Unser Weg führt am Alten Zollhaus vorbei zum Mirador
de la Viento mit Blick auf San Telmo und das Meerwasserschwimmbecken.
Der Hafen von Puerto de la Cruz mit dem Alten Zollhaus |
Das Alte
Zollhaus oder auch das
Königliche Zollhaus, Casa de la Real Aduana, stammt aus dem 17.
Jahrhundert und ist das einzige erhaltene Gebäude aus dieser Zeit. Damals war
Puerto de la Cruz noch der Hafen und ein Teil von Orotava. 1650 wurde eine
halbkreisförmige Mole errichtet, der Puerto Nuevo, der heutige Fischereihafen.
Bis dahin mussten die Schiffe auf der Reede vor Anker gehen und die Ladung
wurde mit kleinen Booten an Land gebracht.
Erbauer des Zollhauses war der aus La Orotava stammende Regidor Antonio Franchi Luzardo y Ponte de Castillo. Die Stadt Puerto hat ihm ein Denkmal in der Fußgängerzone Calle Quintana, in der Nähe des Plaza del Charco, gewidmet. Franchi hatte 1603 von der Stadt La Orotava den Auftrag erhalten, an dem Anlandeplatz des späteren Puerto Nuevo Grundstücke am heutigen Plaza del Charco für eine Kirche, öffentliche Wege und Baugrundstücke auszusuchen. Für sich ließ Franchi 1620 am Anlandeplatz ein Haus bauen. Die Nachkommen verpachteten das Haus an die königliche Finanzbehörde für die Zollverwaltung. Bis 1833 war die Zollverwaltung dort, bis sie nach Santa Cruz verlegt wurde. Der Hafen von Santa Cruz hatte den Hafen von Puerto de la Cruz an Bedeutung überholt. Heute ist hier das Tourismus-Büro der Stadt.
Weiter zum Plaza de la Iglesia. Kleine Einkehr
im Don Carlos vor dem Hotel Monopol gegenüber der Hauptkirche von
Puerto de la Cruz.
Nuestra Señora la Peña de Francia – Unsere Liebe Frau des Felsens von Frankreich –
am Plaza de la Iglesia ist die Hauptkirche von Puerto de la Cruz, aus dem 17.
Jahrhundert stammend. Auf dem Peña de Francia in der spanischen Provinz
Salamanca befindet sich ein Marien-Wallfahrtsort, nach dem die Kirche benannt
ist.
Es ist die Kirche, für die Antonio Franchi das Grundstück 1603 ausgesucht hatte. Zunächst wurde 1620 eine kleine Kapelle gebaut. 1648 bis 1697 wurde dann die heutige Kirche gebaut (mit Umgestaltungen in späteren Jahrhunderten). Sie ist dreischiffig und die Holzdecke im Innenraum ist im Mudéjar-Stil gestaltet (Mudejaren waren in Spanien nach Wiedereroberung verbliebene Muslime, die sich taufen lassen mussten. Als Handwerker wandten sie Bauformen und Ausgestaltungen der islamischen Architektur an.).