Unser regelmäßiger Spaziergang
Wenn wir keine größere Wanderung machen,
gehen wir möglichst jeden Tag eine Runde um La Paz – wenn es nicht regnet,
jetzt im Januar regnet es allerdings öfter.
Wir gehen an dem Einkaufszentrum La
Cupula gleich neben unserer Wohnanlage vorbei und über die Kreuzung der
Avenida mit dem langen Namen (siehe „Taoro Wanderung“, Link zum Bericht).
Rechterhand ist der Botanische Garten und gegenüber der Placita
Retama, benannt nach der Carretera Retama, der wir im weiteren folgen.
Den Botanischen Garten „Jardin de
aclimatación de La Orotava“ ließ der spanische
König ab 1791 auf dem Land der Hacienda El
Durazno anlegen, die noch zu La Orotava gehörte und der Hafen war der Puerto de la Orotava. Eine
selbständige Gemeinde wurde Puerto de la Cruz erst 1808.
Das Herrenhaus der Hacienda war der Landsitz Abaco aus
dem 18. Jahrhundert, das lange Zeit in seinem ursprünglichen Stil erhalten blieb.
Heute ist dort ein Restaurant. Die Hacienda geht auf Bartolome Benitez de Lugo, Neffen des Eroberers von Teneriffa, Alonso Fernandes de Lugo, zurück. Der
Neffe wurde mit dem Land für seine Verdienste bei der Eroberung Teneriffas
belohnt.
In dem Botanischen Garten sollten tropische Pflanzen aus den
spanischen Kolonien akklimatisiert werden, um danach im Königlichen Garten
in Madrid angepflanzt zu werden. Das funktionierte aber nicht so richtig.
(siehe „Teneriffa Spaziergänge: Botanischer
Garten“, Link zum Bericht)
Retama ist ein zu den Schmetterlingsblüten gehörender, gelb
blühender Strauch. Als Teide-Ginster (Retama del Teide) ist er auf
Teneriffa und La Palma endemisch, nur hier wachsend, und prägt die Landschaft
der Cañadas del Teide. Aus den Blüten der Retama-Sträucher produzieren die
Bienen den bekannten Teide-Honig. Bei Wanderungen in höheren Regionen
sieht man zahlreiche Bienenkörbe.
Hinter dem kleinen Platz Retama befindet
sich ein mit rötlichen Steinen verkleidetes, etwas indisch anmutendes
Apartment-Gebäude. Im Erdgeschoss ist passend ein indisches Restaurant, das Delhi
Darbar, mit guter Küche und wählbarer Schärfe der Gerichte. Auch die
anderen Restaurants, das Black Sea, das Oliva und die Pizzeria
Europa sind empfehlenswert. In der Pizzeria gibt es am Wochenende zur Frühstückszeit
Churros, ein in Öl gebackenes Spritzgebäck. Die Spanier essen es
gewöhnlich mit heißer Schokolade, ich mag die Variante nur mit Zucker lieber.
Der Ursprung der Churros soll ein chinesisches Frühstücksgericht sein, das
portugiesische Händler nach Europa gebracht haben.
Die Retama-Straße wird auf der einen Seite
von einem langgestreckten Palmen-Wäldchen gesäumt. Gegenüber ist die Appartement-Anlage
Tajinaste, gefolgt von Violetas del Teide und den Apartamentos
Tarahal. Gegenüber ist das Rio
Garoe, ein sehr gutes Hotel. Der Straßenabschnitt ist hier die Calle Dr.
Celestino González-Padrón. Das war auch unsere erste Anschrift auf Teneriffa,
als wir in unserer ersten Wohnung in der Apartment-Anlagge Violetas del Teide gewohnt haben.
Tajinaste ist eine auf allen Inseln der Kanaren endemisch beheimatete Pflanze mit kegelförmigen Blüten. Am bekanntesten sind die weiße (Echium decaisnei) und die rote Tajinaste (Echium wildpreti). Der Samen ähnelt ein wenig dem Kopf einer Schlange, daher der Name Echium (griechisch: Viper). Der deutsche Name ist Natternkopf. Der spanische Name Tajinaste soll aus der Guanchen-Sprache stammen (tainast – Nadel, Stachel).
Violetas del Teide, die blau blühenden Teide-Veilchen, wachsen nur auf den Gipfeln des Teide-Nationalparks oberhalb von 2.400 Metern. Ich habe sie noch nicht in freier Natur gesehen.
Wir gehen jetzt parallel zur
Hauptzufahrtstraße nach Puerto, der Carretera Este, Richtung Meer. Am Weg liegt
die vor einigen Jahren neu gebaute Kirche Iglesia Nuestra Señora de la Paz.
Nuestra Señora de la Paz ist
die jüngste Kirche in Puerto de la Cruz. 2006 wurde sie geweiht. Auffallend sind die bunten Glasbilder an der
Kirchenfassade.
Unter der
Kirche ist eine sogenannte Auferstehungskapelle mit einem Kolumbarium,
in dem die Urnen Verstorbener aufbewahrt werden können (Der Name „Kolumbarium“
bezeichnet eigentlich ein Taubenhaus. Weil die altrömischen Grabkammern mit
ihren reihenweisen übereinander angebrachten Nischen für die Aufnahme von Urnen
nach der Feuerbestattung wie ein Taubenschlag aussahen, erhielten sie den Namen
Columbarium.)
Vor der Kirche wurde 2019 eine große Statue aufgestellt,
„Christus der Versöhnung“, die Christus als gefolterten Gefangenen darstellt.
Die Statue ist das Werk des polnischen Bildhauers Maksymilian Biskupski. Es ist
eine Erinnerung an die Ermordung von 22.000 Menschen im Wald von Katyn
(Ostpolen, heute russisch) und in den Gefängnissen Anfang des 2. Weltkriegs auf
Anordnung von Stalin.
Die Kirche ist umgeben von schon lange
aufgegebenen Bananenplantagen, mittendrin die Ruine des Gelben Hauses.
Es ist Bauerwartungsland. Im letzten Jahr wurde das ganze Areal eingezäunt und
teilweise planiert, weiter passierte nichts. Aber gegenüber der Carretera
werden weiter Bananen angebaut. Hier beginnt auch der Weg zur Bollullo-Bucht
durch die Bananenfelder (siehe „Der schmale Küstenstreifen von La Orotava“,
Link zum Bericht).
Das „Gelbe
Haus – Casa Amarilla“, ist ein schon fast verfallenes Haus mitten in einer schon lange
aufgegebenen Bananenplantage. Hier war einmal ein Zentrum der deutschen
Primatenforschung der Preußischen Akademie der Wissenschaft in Berlin (1913
bis 1918). Darum steht das Haus unter Denkmalschutz, was den Eigentümer
offensichtlich nicht hindert, das Haus dem Verfall preis zu geben.
Deutsche
Anthropologen wollten das Verhalten von Primaten erforschen und hatten dafür
das Orotava-Tal wegen seiner klimatischen Vorzüge ausgewählt. Führender
Vertreter der damaligen deutschen Forschung war Wolfgang Köhler (von 1921 bis
1935 Direktor des Instituts für Psychologie in Berlin und danach Präsident
der American Psychological Association). Die Schimpansen kamen aus der deutschen Kolonie Kamerun.
1918 wurde das
Gelbe Haus und die Bananen-Finca von dem Eigentümer (das Haus war nur gemietet)
an den Briten Yeoward verkauft (Yeoward gehörten auch die
Bananenplantagen, an deren Stelle das Hotel Botanico steht). Die
Forschungsstation zog in den Ortsteil El Durazno oberhalb von Puerto de
la Cruz um, in die Finca „El Cipres“ am Camino el Cipres. In der Finca war die Forschungsstation bis 1920. Dann
musste sie wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Deutschland schließen.
Die sechs Schimpansen der Station kamen in den Berliner Zoo.
Der Camino el Cipres war ein historischer Verbindungsweg von La Orotava zum Hafen, damals Puerto de la Orotava. Ein Teilstück steht seit einiger Zeit unter Denkmalschutz. Es beginnt gegenüber dem ehemaligen Restaurant „Casa Lala“ und endet an der „Villa Nati“ in der Nähe der Autobahn (Es ist ein großzügiger Villen-Komplex, der einmal einem Venezolanischen Minister (?) gehört haben soll).
Unser Weg wird der Camino de la Costa,
oberhalb der Carretera und der Küste. Auf der linken Seite liegt, etwas erhöht,
das kleine Plató parapente (Gleitschirm).
Hier können wir gelegentlich Paragleiter starten und landen sehen. Dann queren
wir den Barranquilo Araujo o de los Pastores, ein unscheinbarer, trocken
gefallener Barranco, der von El Mayoracgo in La Orotava kommt. Aber bei
Regenfällen wird er wohl ein reißender Bach. Im letzten Jahr wurde der Ablauf
unterhalb der Carretera durch eine Wasserbrücke ersetzt, um die Überflutung der
Straße bei starkem Regen zu verhindern. Es ist ein scheußliches Beton-Bauwerk.
Ab hier beginnt jetzt wieder die bebaute
Zone, Apartmenthäuser und Bungalows, gefolgt von Hotels, dem „Best Semiramis“
und dem „Atlantic Mirage“. Dessen Dachterrassen-Café bietet einen
schönen Ausblick auf die Küste und das Meer. Hinter dem Best Semiramis führen
Treppen vom Camino hinunter auf den Paseo de la Costa, der direkt am Hotel
Atlantic Mirage vorbeiführt, etwa in der Hochhausmitte. Die Hotelzimmer sind
oberhalb und unterhalb des Weges, der bei gutem Wetter auch die
Frühstücksterrasse des Hotels ist.
Der Weg folgt dem Berghang etwas weg vom
Meer. Unter uns ist der Playa Martiánez. Am Weg laden zwei kleine
Terrassen-Restaurants ein. Dann kommen wir am Mirador La Paz an, der
auch als Plaza Agatha Cristie ausgewiesen ist.
Puerto
erinnert an mehreren Orten an die englische Schriftstellerin Agatha Christie.
Agatha Christie (1890 – 1976) wurde durch ihre Kriminalromane bekannt (die
Weltauflage ihrer Bücher soll zwei Milliarden übersteigen). 1927 kam sie für
einen Monat (!) nach Puerto de la Cruz und wohnte im Hotel Taoro (das jetzt
wieder eröffnet wurde). In ihrem Buch „Der rätselhafte Mr. Quin“ lässt sie die
Handlungen der Kurzgeschichte „Der Mann vom Meer“ in La Paz stattfinden,
insbesondere in dem Herrenhaus La Paz in der Nähe des Mirador La Paz.
Von hier gehen wir an der Kapelle San
Amaro und dem Einkaufszentrum „Coviran“ vorbei zur Avenida mit dem langen
Namen (Marqués de Villanueva del Prado).
Der Bau der Ermita San Amaro wurde 1591 von
dem spanischen Hauptmann und Mitglied der Inselregierung Juan Mesa y Lugo
veranlasst (fast genau 100 Jahre vorher wurde 1495 die entscheidende
Erroberungsschlacht von Acentejo bei La Matanza gewonnen). Sie steht neben dem
heutigen Mirador La Paz. In Guanchen-Zeit soll hier ein spiritueller Platz
gewesen sein. Unterhalb des Miradors wurden Bestattungs-Höhlen der Guanchen
gefunden.
San Amaro war lange
Zeit die einzige Kirche in dem Gebiet. Die heutige Hauptkirche von Puerto de la
Cruz, Nuestra Señora de la Peña de Francia (heilige Jungfrau von Peña) wurde
erst 1697 im Zuge der Besiedlung des Gebietes um den Hafen von Orotava (heute
Puerto de la Cruz) errichtet.
Umgeben war San Amaro von Zuckerplantagen, dann von Weinfeldern und danach von Bananenfeldern. Nicht weit entfernt ließ sich 1702 Bernardo Valois (der als Bernhard Walsh aus Irland nach Teneriffa kam) das Herrenhaus La Paz bauen. Sein Schwiegersohn und Erbe war Juan Cólogan Blanco, weshalb das Herrenhaus auch als Casa Cólogan bezeichnet wird.
Wir gehen am Canary-Center vorbei, manchmal machen wir auch einen Schlenker durch das im Bungalow-Stil gebaute Einkaufs-Center an der Avenida Marqués de Villanueva del Prado. Das Restaurant von Manuela und Leo (Tiroler Alm) mit sehr guter Küche liegt am Weg. Auf der anderen Straßenseite ist das Hotel Botanico. Dann sind wir schon wieder an der Kreuzung der Avenida und der Calle Camelia.