Wanderung nach San Pedro
28. Dezember 2025
In
der Woche vor Weihnachten bin ich mit Karl-Heinz, einem Schulfreund aus der
Abiturklasse in Hildesheim, und seiner Frau nach San Pedro gewandert. Sie waren
für zwei Wochen nach Teneriffa gekommen. Es war die erste Wanderung, seit wir
(diesmal später als sonst) auf der Insel sind.
Am
Wochenende davor hatte es
drei Tage sehr stark geregnet. Darum sind wir auch nicht, wie zunächst
beabsichtigt, den Barranco Ruiz Weg (und weiter nach Juan de la Rambla
und Las Aguas) gegangen. Die Gefahr, dass durch die Wassermassen viel Geröll
auf den Weg am Barranco geschoben wurde und dass der Abstieg nach Juan de la
Rambla sehr glitschig sein konnte, hat uns von der sonst als
Einstiegs-Wanderung sehr schönen Tour abgehalten.
Die
Wanderung nach San Pedro
sind wir auf einer gekürzten Wegstrecke gegangen. Sonst sind wir von La Paz bis
zum ehemaligen Maritim-Hotel und dahinter auf den Wanderweg nach La Paz
gegangen, der hier am Mirador Burgado beginnt. Der erste Wegabschnitt
entlang der Playa de los Roques ist sehr schön, aber schon seit Jahren
wegen Steinschlag-Gefahr gesperrt. Richtig zu sehen war die Gefahrenquelle
allerdings nie, und so haben viele Wanderer die Absperrung umgangen und sind
trotzdem den Küstenweg bis zur Feriensiedlung Romantica II gegangen (der
offizielle neue Wanderweg ist am Rand des Ortsteils El Toscal auf wenig
interessanten Dorfstraßen ausgewiesen). Angesichts des massiven
Regenereignisses wollte ich ein dadurch vielleicht erhöhtes Abbruchrisiko nicht
eingehen und habe als Einstieg für unsere Wanderung den westlichen Rand
der Romantica II Siedlung gewählt, an dem der Wanderweg „Sendero
Rambla de Castro“, unser Weg nach San Pedro, beginnt. Das Auto haben wir in
der Siedlung geparkt.
Die Feriensiedlungen Romantica
I und Romantica II wurden in den 1970er Jahren gebaut. Sie gehören zu dem
Stadtteil Toscal-Longuera von Los Realejos.
Unser
Ziel ist der Aussichtspunkt Mirador San Pedro mit einem kanarischen Restaurant, in dem wir bei früheren
Wanderungen schon öfter waren. San Pedro liegt oberhalb der ehemaligen Hacienda
de Castro.
Der
Wanderweg verläuft oberhalb der Küste mit Blick auf die Bucht Callado
de Mendéz. Landeinwärts begleiten aufgegebene Bananenplantagen den Weg.
Dann umgeht der Weg die schon etwas älteren Häuser der Feriensiedlung Romantica
I und führt durch den ersten zu querenden Barranco, den Barranco de la
Calera (Barranco de Gordejuela). Unten am Ufer ist die Ruine von
Gordejuela (1) zu sehen.
Es ist die Ruine eines zwischen
1904 und 1906 gebauten fünfstöckigen Gebäudes für ein Wasserpumpwerk mit
zugehöriger Wohnung für den Maschinisten. Mit einer Kohle betriebenen
Dampfmaschine wurde das Wasser der Quelle von La Gordejuela hinauf zur Bewässerung
der umliegenden Bananenplantagen gepumpt. Es war die erste auf Teneriffa betriebene
Dampfmaschine. In Auftrag gegeben wurde es von der Handelsfirma Hamilton,
die im Bananenhandel aktiv war, deswegen das Gebäude gelegentlich auch als „Casa
Hamilton“ bezeichnet wird. Die Anlage wurde jedoch schon nach wenigen
Jahrzehnten stillgelegt, da sich der Bananenhandel der Firma Hamilton verschlechterte.
Am
gegenüberliegenden Barranco-Hang ist der abgesperrte Zugang zu dem ehemaligen
Pumpenhaus und dahinter ein sehr einsam gelegenes Ferienhaus in einem Casa Rual
von 1905, vor einigen Jahren sehr aufwändig renoviert. Es folgt der Abstieg in
den nächsten Barranco, Barranco de la Calera (Barranco Godinez) (2),
und der Aufstieg zu einem Plateau zwischen der Küste und dem höher gelegenen
Ort San Vincente, das wohl zu der Hacienda de Castro gehörte.
Auf
dem Plateau nehmen wir den Weg zu dem Fortin de San Fernando (4), das
1809 errichtet wurde. Ein kleines, unscheinbares Haus, das früher als
Unterkunft für die Soldaten diente, die die Küste bewachten. Zur Erinnerung
sind auf dem Platz drei alte Kanonen aufgestellt.
Das Fortin de San Fernando gehörte zu den Befestigungsanlagen zum Schutz der Küste vor Überfällen von Piraten. San Fernando wurde 1809 dem damaligen Besitzer der Hazienda, Augustín de Bethencourt y Castro, errichtet.
Der
Weg zum Herrenhaus der Hacienda, der Casona (alte Villa) de los
Castro (5), ist von kanarischen Palmen gesäumt. Wir gehen durch das Naturschutzgebiet
Rambla de Castro. Es sind noch viele einst auf der Hacienda angepflanzte
Palmen erhalten. Es ist fruchtbares Land, auf dem erst Zuckerrohr, dann Wein
und später Bananen angebaut wurden. Wasser zur Bewässerung der Felder war
ausreichend vorhanden. An der Ruine des Wasserpumpwerks Elevador de Aguas de
Gordejuela aus Anfang des 2o. Jahrhunderts sind wir vorbeigekommen. Älter ist
die Quelle der Hacienda, die Madre de Agua. Sie versorgte das
Landgut im 16. Jahrhundert mit Quellwasser.
Die Hazienda de Castro wurde Anfang des 16. Jahrhunderts von dem Portugiesen
Fernando (Hernando?) de Castro gegründet. Grundlage waren die von dem Teneriffa-Eroberer
Alonso Fernández de Lugo vergebenen Land- und Wasserrechte. Die noch erhaltenen
Gebäude stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Umgeben waren sie von einer Gartenanlage,
die in einigen Strukturen noch zu erkennen ist. Die Gebäude wurden vor Jahren
(2012?) umfassend renoviert und sollten ein Umwelt- und Naturzentrum werden.
Das ist aber augenscheinlich nicht realisiert worden.
Alonso Fernández de Lugo wurde nach den Eroberungen Gouverneur von La Palma (1493)
und von Teneriffa (1496). Von der Kastilischen Krone erhielt er das
Recht, die Ländereien im Namen der Krone zu verteilen. Er ist in der Kathedrale
von San Cristóbal de La Laguna bestattet.
Zuckerrohr wurde
auf der Hacienda und auf der Insel zuerst angebaut. Das war in der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts. Zuckerrohr braucht viel Wasser und zum Auskochen
viel Holz. Beides war damals auf der Insel vorhanden. Der Zuckerrohranbau kam
zum Erliegen, als die Pflanze auch in Amerika angebaut wurde und Zucker aus
Amerika von den europäischen Abnehmerländern preiswerter importiert werden
konnte.
In der Folge
wurde Wein vor allem auf Teneriffa und La Palma angebaut. Auch
damit war es vorbei, als England bedingt durch den Spanischen Erbfolgekrieg
(1701 bis 1714) auf Portugiesische Weine umstieg. Die Folge war eine
Wirtschaftskrise, während der viele Einwohner in die amerikanischen Kolonien
Spaniens auswanderten.
Anfang des 18.
Jh. regelte ein königlicher Erlass (1718), dass je 100 Tonnen Exportgüter nach
Amerika zusätzlich 5 kanarische Familien mit jeweils fünf Mitgliedern mit dem
Schiff mitgenommen werden mussten. Damit wollte man eine drohende Übervölkerung
der kanarischen Inseln abwenden. Der Erlass wurde als „Tribute de
Sangre“ (Bluttribut) bezeichnet. Diese Zwangsemigration stärkte die
spanische Präsenz in seinen Kolonien. Stadtgründungen in Texas (Montevideo und
San Antonio) gehen darauf zurück, ebenso die Wiederbevölkerung von Kuba, Puerto
Rico und des Mississippi-Deltas.
Eine wirtschaftliche Zwischenepisode bedeutet die Cochinilla-Laus. Diese, aus Mexiko stammende Laus, lieferte den Grundstoff für den natürlichen Farbstoff Karminrot. Die Läuse wurden auf bestimmten Kakteen-Arten gezüchtet. Bei Wanderungen auf Teneriffa sieht man noch heute Kakteen mit diesen Läusen. Zerquetscht man sie, bekommt man die rote Farbe auf die Finger, die nur schwer wieder abzuwaschen ist. Karmin war Mitte des 19. Jh. der wichtigste Exportartikel der Kanaren (auf Teneriffa 90 % des gesamten Exports). Mit der Erfindung chemischer Farben endete auch dieser Boom. Der Farbstoff Karmin wird noch heute in der Kosmetik (Lippenstifte), für Getränke (Campari) und in der Lebensmittelherstellung (Cheddar-Käse) verwandt. Allerdings kommt der Farbstoff jetzt hauptsächlich aus Mexiko.
Ende des 19. Jh. (um 1890) führten u.a. englische Kaufleute den Bananen-Anbau auf den kanarischen Inseln ein.
Wir
gehen nach Besuch der Casona de los Castro natürlich zur Madre de
Agua (6). Von der einst starken Quelle ist aber nur noch ein kleines
Rinnsal übriggeblieben. Wahrscheinlich wurde der Quelle das Wasser in späterer
Zeit mit dem Bau der Straße und der Häuser oberhalb der Quelle abgegraben.
Nun
gehen wir hinauf nach San Pedro (8).
Es sind schon ein paar Höhenmeter Unterschied. Nachdem wir vom Aussichtspunkt
(hier standen einmal Tische und Stühle des Restaurants, bis sich die Anwohner
unter dem Aussichtspunkt beschwerten. Worüber eigentlich? So viel Lärm haben
die Ausflügler dort nicht gemacht.) hinunter zur Küste und auf die
Bananenplantagen und die Häuser neben der Hacienda (deren Ursprung vielleicht
deren Arbeiterhäuser waren) geschaut haben, kehren wir erst einmal im Restaurant
San Pedro ein. Zu der ebenfalls unterhalb des Aussichtsplatzes gelegene Ermita
San Pedro gehen wir nicht.
Die Kapelle San Pedro ist verschlossen, jedenfalls war sie es so
oft, wie ich dort bei Wanderungen vorbeigeschaut habe. Sie wurde Anfang des 17.
Jahrhunderts durch den Besitzer der Hacienda, Pedro de Castro Navarro, an einem
Camino Real errichtet.
Caminos Reales waren die Königswege, die nach der
Eroberung als Verbindungswege im Auftrag des spanischen Königs gebaut wurden.
Sie wurden mit Natursteinen gepflastert und waren so breit, dass zwei beladene
Esel aneinander vorbeikamen. Viele Wanderwege auf Teneriffa verlaufen
auf einem alten Camino Real.
Danach
machen wir uns auf den Rückweg.
Zu Fuß. Bei früheren Wanderungen (die dann aber auch am Hotel Maritim bzw. in
La Paz begonnen haben), sind wir mit dem Taxi zurück nach Puerto gefahren (man
kann auch den Bus ab San Vincente nehmen). Wir gehen zu Fuß zurück, gehen aber
nicht wie beim Hinweg an der Casona vorbei, sondern wählen den kürzeren Weg am
Bergrand der Rambla unterhalb von San Vincente bis zum Einstieg in den Barranco
de la Calera. Dann ist unser Rückweg auf der gleichen Route wie unser Hinweg, bis
zum in Romantica I geparkten Auto.