Von Erjos nach Masca – meine letzte Wanderung

6. Mai 2026 

Noch einmal von Erjos aus nach Masca. Es ist etwa die gleiche Wanderstrecke wie ab Santiago del Teide. Nur wird etwa die Hälfte des etwas steileren Aufstiegs im Barranco vermieden. Außerdem ist der Abschnitt des Weges ab Santiago wegen der Tunnelbaustelle offiziell gesperrt (man kann den Pfad, der am Bauzaun beginnt, aber begehen). 

Wanderung 8,5 Kilometer
Aufstieg 220 Meter, Abstieg 550 Meter

Erjos ist ein Ort, der zu zwei Gemeinden gehört.  Zum Teil ist es das Gebiet der Gemeinde Los Silos (westlich der Landstraße nach Santiago del Teide), der andere Teil gehört zur Gemeinde El Tanque (östlich der Landstraße). In der Guanchen-Zeit war das Gebiet als Wanderweide von Bedeutung.  Nach der Eroberung Teneriffas dominierte im 17. Jh. der Getreideanbau. Nördlich von Erjos erinnert der Dorfname „Tierra del Trigo“ (Weizenland) daran. 

Masca ist ein kleines Dorf (etwa 100 Einwohner) der Gemeinde Buenavista del Norte. Bis zum Bau der Straße von Buenavista del Norte nach Santiago del Teide in den 1960er Jahren waren die wenigen Häuser nur auf einem Pfad, dem Camino de los Guanches, von El Palmar aus zu erreichen, zu Fuß oder mit Eseln. Jetzt fahren viele Busse und Mietwagen nach Masca und entsprechend zugeparkt und überlaufen ist es dort in der Urlaubszeit. 

Wir, Ulrike und ich, fahren mit dem Bus bis zur Haltestelle Las Barreras, etwas vor dem Puerto de Erjos. Hier haben wir unsere Wanderungen auch immer begonnen, wenn wir mit dem Auto gefahren sind. 

Schon bei der Bus-Anfahrt schwante uns nichts Gutes. Es wurde immer nebeliger. Dicker Nebel, als wir aus dem Bus aussteigen. Es war kalt und wir waren froh, dass wir jeder eine Jacke in unseren Rucksäcken hatten. 

Nebel über den Charcas von Erjos

Doch, wie ein Wunder, wir waren noch nicht ganz den Berg hinauf, da war der Nebel von einer auf die andere Minute verschwunden. Die Sonne schien. In der Wanderjacke wurde es zu warm. Waren die Wassertümpel unten im Erjos-Tal zuerst nur durch den Nebel zu sehen, leuchtete jetzt das Wasser der Charcas tiefblau herauf. Und am Wegrand blühte es in allen Farben. Nur das leuchtende gelb gab es nicht mehr, die Zeit der Gänsediestel-Blüte war jetzt Anfang Mai schon vorbei. 

Freie Sicht in das Erjos-Tal

Die Charcas de Erjos sind durch den Aushob der fruchtbaren Erde entstanden. In den 1970er und 1980er Jahren wurde sie für die Anlegung von Bananenfeldern abgefahren. Zurück blieben zahlreiche Erdlöcher, die sich durch Regen mit Wasser füllten und kleine Tümpel, die Charcas, wurden. Die letzten Jahre waren sie trockengefallen. Jetzt, nach der langen Regenzeit, sind sie wieder ordentlich vollgelaufen.

Vor dem Abbau der fruchtbaren Erde wurde hier ab dem 17. Jahrhundert Getreide angebaut, das die getreidearmen Gebiete, die sich auf den Weinanbau konzentriert hatten, versorgte. An den Hängen des Erjos-Tals kann man noch das alte Terrassen-System erkennen. 

Cinerarien/Pericallis/Teneriffa-Stern
Auf Teneriffa sind 15 Arten endemisch (heimisch).
In Deutschland ist sie als Aschenblume eine Topfpflanze
(lateinisch cinis: Asche).

Milchfleckdistel
(In Südeuropa, Nordafrika und auf den Kanarischen Inseln 
beheimatet)

Aeonium canariense/Kanarisches Rosettendickblatt
Auf den Kanarischen Inseln ein endemisches Dickblattgewächs.

Gladiolie (gladiolus italicus)
Eine auf Teneriffa wildwachsende Schwertlilienart.
(Die gladiolus italicus ließ schon Karl der Große als Medizinpflanze auf seinen Feldern anbauen)

Blumenwiese

Buschige Prunkwinde

Montpellier-Zistrose
Zistrosen sind im gesamten Mittelmeerraum
 und auf den Kanarischen Inseln verbreitet.
Der Name Montpellier stammt von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linnél. Er bennante sie so, weil im Gebiet der südfranzösiche Stadt damals der Hauptverbreitungsschwerpunkt war.

Wegerichblättriger Natternkopf
Ein Planze der Gattung Natternköpfe, deren Blättern denen der Wegeriche ähneln.

Das erste Stück der Wanderung ist der befestigte Weg hinauf zu den Antennen-Anlagen auf dem Großen Gala. Bevor wir diesen Weg verlassen und in den Kiefernwald abbiegen, überqueren wir die neue Tunnelstrecke von El Tanque nach Santiago. 

Neben den Sendeanlagen steht jetzt auf dem Großen Gala
auch ein Radarturm für die Wetterbeobachtung.

Der Tunnelvortrieb der 5 Kilometer langen doppelten Röhre des Straßentunnels zwischen El Tanque und Santiago del Teide ist inzwischen fertiggestellt. Am Tunnelausgang in Santiago sind hohe Berge von Abraum aufgeschüttet, die für den Straßenbau Verwendung finden sollen. Im nächsten Jahr soll der Tunnel in Betrieb genommen werden und den sogenannten Nord-Süd-Ring schließen. 

Von der Straße zum Großen Gala biegt ein breiter Forstweg ab, auf dem wir bis zum von Santiago heraufkommenden Baranco gehen. Wir wechseln auf den von Santiago kommende Wanderweg (dieser Teil ist zurzeit bis hierhin offiziell gesperrt, aber begehbar) und gehen den Barranco-Weg hinauf bis zur Degollada de la Mesa, dem Sattel zwischen dem Großen (Cruz de Gala) und dem kleinen Gala (Pico Verde). Von hier aus kann man in das Masca-Tal hinunterschauen, wenn nicht Wolken und Nebel im Tal liegen. Das war heute so. Hier oben schien die Sonne, im Tal lag eine dicke Wolkenschicht. Über den Wolken konnten wir La Palma sehen. 

Hier stößt der von Erjos kommende Forstweg
auf den von Santiago kommenen Barranco-Wanderweg

Blick hinunter nach Santiago del Teide

Es ist Zistrosen-Zeit - überall am Weg blühten große Büsche

Retama blanca canaria - Weiße Retama
Eine endemische Ginster-Unterart auf den Kanaren.

Ein Felsenhuhn aus der Familie der fasanenartigen Hühnervögel
In Spanien heißen sie Perdiz de Berbéria (Berberperlhuhn).
Auf die Kanarischen Inseln wurden sie wahrscheinlich für die Jagd eingeführt.

Felsen Gänsedistel

Felsennelke

Degollada de la Mesa:
Wolken über dem Masca-Tal

Über den Wolken schwebt La Palma

Der Wanderweg folgt den Bergkämmen des Cumbre de Bolico und anschließend des Cumbre de Masca. Die Berghänge wurden in früherer Zeit landwirtschaftlich genutzt. Der Dreschplatz am Weg und die Hausruinen daneben erinnern noch daran. Hinter dem Cumbre de Masca biegen wir in das Masca-Tal ab. Der Kammweg führt weiter zum Teno-Gebirge, über den Tabaiba-Pass (Mirador Altos de Baracán) und vorbei am Cumbre de Baracán. Vom Wanderweg auf dem Kamm können wir auf der einen Seite hinunter in das Tal von El Palmar und zur Küste von Buenavista sehen. Auf der anderen Seite sehen wir nur in den Nebel im Masca-Tal. 

Geflecktes Sandröschen

Weißer Gipfelsalbei
Es gibt auf den Kanarischen Inseln mehrere endemische Arten

Berghang mit Gipfel-Salbei

Mariendistel

Eine der wenigen noch blühenden Gänsedisteln

Am Weg ist noch immer ein Netz aufgespannt, mit dem die Feuchtigkeit aus den Pasatwinden "gekämmt" und aufgefangen wird. So wie es die langen Nadeln der kanarischen Kiefer machen.  Die Station ist  ein Forschungsvorhabens, mit dem die Wassergewinnung aus der Luft erprobt wird.

Zeugnisse der Landwirtschaft an den Berghängen:
Hausruine und Dreschplatz

Es ist die Zeit der Zistrosen-Blüte

Cinerarien

Kanaren-Hahnenfuß

Kanaren-Storchenschnabel

Blick vom Kammweg
in das El Palmar-Tal mit der Küste von Buenavista
und in das Masca-Tal

Kanarische Stechpalme

Ein Dickblattgewächs (Bramwell?)

Eine Kanaren Glockenblumen blühte noch

Auf dem Kammweg

Die Opuntien (Feigenkaktee) beginen zu blühen
Auf den Feigenkakteen wurden Cochenilleschildläuse 
zur Gewinnung des purpurroten Karmin-Farbstoffes gezüchtet.

Aeonium canariese 

Ein Lichtstreifen über dem Meer

Blick auf die Berge des Teno-Gebirges
Der Weg im Mittelpunkt ist unser Wanderweg hinab in das Masca-Tal.

Felsformation am Kammweg
kurz vor der Abzweigung unseres Wanderweges in das Masca-Tal

Vom Kammweg biegen wir ab, um in das Masca-Tal hinunter zu gehen. Und, welch ein Wunder, nachdem wir um die „Ecke“ hinunter in das Tal kommen, ist der Nebel im Tal verschwunden. Die Sicht ist frei und die Sonne scheint. Auf der ganzen Wanderung hat sich der Nebel immer zurückgezogen, wenn wir kamen. 

Der Weg hinunter in das Masca-Tal

Am Wegrand blüht es
Blick hinunter nach Carrizales

Tabaiba - Dunkelpurpurrote Wolfsmilch
Endemisch auf den Kanarischen Inseln



Kanaren Johanniskraut

Kanarischer Lavendel

Wahrscheinlich noch das Steinpflaster
des historischen Camino Real (Königsweg)
Camino Reales waren die im 16. Jahrhundert angelegten Handelswege. Teilweise sind sie noch erhalten und werden als Wanderwege genutzt.

Der Nebel hat sich immer vor uns zurückgezogan. Zum Schluss war es dann anders. Am Cruz de Hilda sahen wir, wie die Wolken vom Meer kommend wieder in das Masca-Tal hineingeschoben wurden. Kurze Überlegung. Dann die Entscheidung nicht nach Masca hinunter zu gehen. Wir waren schon öfter dort, es ist sehr touristisch geprägt. Und auch die Casa Riquelme, ein rustikales Lokal am anderen Ende von Masca, zog uns diesmal nicht an. 

Blick vom Cruz de Hilda auf Masca

Wir sind mit dem kleinen Titsa-Bus, der regelmäßig zwischen Santiago del Teide und Buenavista fährt, nach Buenavista gefahren. Mit einer Unterbrechung der Fahrt in Las Portales. Am Ortseingangsschild fiel Ulrike ein, dass es in Los Portales ein bekanntes Restaurant gibt, das Mesón del Norte, berühmt für seine Steaks. Das liegt direkt an der Straße und direkt neben dem Restaurant ist die Bushaltestelle. Also stoppten wir kurz entschlossen den Bus. Es hat sich gelohnt. 

Mesón del Norte

Ein schöner Abschluss einer sehr schönen Wanderung. Es ist meine letzte Wanderung auf Teneriffa. Ende Mai geben wir unsere Wohnung in Puerto de la Cruz auf und werden wieder dauerhaft in Berlin sein. Wenn wir später noch einmal Urlaub auf Teneriffa machen sollten, wird die Masca-Tour meine Erinnerungswanderung sein. Natürlich auch mit einer Erinnerungs-Einkehr im Mesón del Norte.


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