Bollullo – Die Bucht mit dem seltsamen Namen

24. April 2026 

Wir sind noch einmal zur Bollullo-Bucht gewandert. Es ist eine kleine Wanderung entlang der Küste zu einer sehr schönen Bucht. 

7 Kilometer, 220 Höhenmeter

Die Bollullo-Bucht ist eine von drei Stränden des Küstenabschnitts von La Orotava. La Orotava ist die flächengrößte Gemeinde von Teneriffa. Zum Gemeindegebiet gehört die gesamte Inselmitte mit dem Teide-Nationalpark. Der Streifen an der Küste ist schmal. Westlich angrenzend ist die Stadt Puerto de la Cruz. Die zwei weiteren Strände sind die Playa San Juan (auch: Playa El Rincon – die Ecke, der Winkel als Ort) und die Playa Los Patos (die Enten). Diese beiden Buchten  sind die Mündungen des Barranco de la Arena (San Juan) und des Barranco del Pino (Los Patos). Die Playa El Bollullo liegt zwischen den beiden. 

Der Name Bollullo ist ungewöhnlich. In Spanien gibt es in der Provinz Sevilla in Andalusien einen Ort Bollullos de la Mitación. Dort wird „Bollullos“ von der Sprache eines iberischen Volksstamms abgeleitet und soll „kleiner Turm“ bedeuten. Eine andere Namens-Interpretation leitet den Namen von den Guanchen ab. Sie sollen die Bucht unter den hohen Klippen „Boyuyo“ genannt haben. Die Schreibweise „Bollullo“ soll aufgrund andalusischen Einflusses entstanden sein. 

Beginn des Bollullo-Weges: Der Tunnel unter der Carretera Este

Der Weg zur Bollullo-Bucht ist zunächst unser fast täglicher Rundgang, vorbei am Botanischen Garten, dem Hotel Rio Garoe und der Kirche Nuestra Señora de la Paz. Kurz vor der Küste biegt der Weg durch die Bananen-Plantagen ab. Dann folgt ein Abschnitt durch aufgegebene Terrassen-Felder oberhalb der Playa de San Juan. Der Weg in den Barranco ist als Steintreppe ausgebaut. Unten im Barranco-Tal sind die erkalteten Lavaströme stellenweise noch gut zu erkennen. Der Weg aus dem Tal ist weniger steil als langgestreckter Aufstieg angelegt. 

Blick auf die Buchten

Neu angelegtes Bananenfeld am Weg

Abgang hinunter in den Barranco

Kanarischer Lavendel
(endemisch auf allen Kanarischen Inseln,
er duftet nicht so stark wie Echter Lavendel)

Mündung des Barranco de la Arena

Aufgegebene Bananen-Terrassen oberhalb der Playa San Juan

Am oberen Ende kommen wir auf den Camino de Bollullo, der weiter oben am Restaurant San Diego El Rincon an der Carretera El Rincon beginnt. Hier gehen wir wieder durch bewirtschaftete Bananen-Felder, von denen wir nicht viel sehen, weil sie von Mauern eingefasst werden. Die Bananen dahinter sind zum großen Teil mit Plastikzelten überdacht, die wie die Mauern einen Schutz vor dem vom Meer kommenden Wind bilden. 

Blüten der Kanaren-Wolfsmilch
(endemisch auf allen Kanarischen Inseln)

Bleistiftstrauch
(ursprünglich in den Tropen Ost- und Südafrikas beheimatet)

Ökologische Bananen-Plantage

Die ersten Bananen kamen schon im 15. Jahrhundert auf die Kanarischen Inseln. Ursprünglich stammen die Bananen aus Südostasien. Arabische Seefahrer brachten sie aus Indien mit. Im islamischen  Kalifat von Cordoba (929 bis 1031) wurden sie erstmals in Europa kultiviert. Auf den Kanarischen Inseln wurden sie von Portugiesen und Spaniern auf Plantagen angepflanzt. Ab 1880 wurden Bananen nach Großbritannien exportiert. 
Heute wird auf den Kanaren die Sorte Cavendisch angebaut. Die Bananen sind durch eine längere Reifezeit aromatischer und intensiver im Geschmack als die südamerikanischen Bananen. 

Hinter den Bananenfeldern erreichen wir die Steilküste über der Bollullo-Bucht. Ein erster Blick hinunter in die Bucht mit ihrem schwarzen Lavasand. Das Bollullo Beach Restaurant oberhalb der Bucht, vor einigen Jahren mit einer schönen Terrasse erweitert, ist geschlossen. Dafür ist das kleine Strandlokal Bollullo Chiringuito unten in der Bucht geöffnet. Warum das Restaurant geschlossen ist, konnten die Mitarbeiter des Chiringuito nicht erklären, nur, dass es vom Ayuntamiento, dem Rathaus, geschlossen wurde. Auch die Parkplätze neben dem Restaurant sind verweist. Vielleicht sind die Parkplätze der Stein des Anstosses.

Blick von der Steilküste in die Bollullo-Bucht

Die Bollullo-Bucht unter uns

Ein Plakat an der Zufahrt zum Restaurant informiert, dass Umweltschützer die Schließung der privaten Parkplätze begrüßen würden, weil sie ab 2017 das Gebiet verschlechtern würden. Mit Fotos soll diese Argumentation mit Luftbildaufnahmen ab 1987  (von dem Inhaber des Restaurants?) widerlegt werden.


Wir entschließen uns, hinunter in die Bucht zu gehen. Das ist bei unseren Gemeinschafts-Wanderungen der vergangenen Jahre oft unterblieben, zu verführerisch war die schnelle Einkehr auf der Terrasse oberhalb der Bucht. Ein gut angelegter und gesicherter Weg (auch der Steilhang über dem Weg ist mit starken Netzen gesichert) führt hinunter zum Strand. Es sind allerdings auch einige Höhenmeter zu bewältigen. Die müssen auch die Besucher des Strandes gehen und noch einiges mehr. Da die Parkplätze oberhalb der Bucht gesperrt sind, müssen sie den Weg vom weiter oben gelegenen Ortsteil El Rincon in Kauf nehmen. Trotzdem ist der jetzt von der Sonne bestrahlte Strand gut besucht. Am Nachmittag ist das anders, die Steilwände an der Bucht verdecken dann die Sonne. 

Der Weg oberhalb der Bucht mit Kanaren-Tamariske

Der Weg hiniunter in die Bucht

Die Steilhänge sind gut gesichert

Die Cueva de Nuestra Senoara del Carmen.
Ein Madonnenbild neben einer Guanchen(?)-Höhle.

Wir sind rechtzeitig losgegangen und können unserer Pause an der Bar des Chirnguita in der Sonne genießen. Man kann hier auch Kleinigkeiten essen. Uns reicht ein „Tinto de Verano“, Rotwein mit Zitronenlimonade, wahrscheinlich hier mit Fanta. Der kommt allerdings aus dem Zapfhahn und in Plastikbechern. 

Wer hinunter geht, muss auch wieder hinauf. Früher sind wir dann noch weiter oberhalb der Küste bis zur nächsten Bucht Los Patos gegangen und anschließend den Barranco del Pino hinauf nach El Rincon und dem Restaurant San Diego.  Der Weg ist am Mirador Bollullo zugesperrt (das war er früher auch) und wir wollten heute auch nicht den etwas anstrengenderen Weg durch den Barranco gehen. Wir sind also den gleichen Weg zurückgegangen. Mit einer Ausnahme. An den überdachten Bananen-Feldern sind wir den Camino el Bollullo oberhalb des Barranco de la Arena ein Stück weitergegangen, statt in den Barranco abzubiegen. 

Lechuga del Mar (Meersalat,  Strandsalat)
Wegen seines hohen Vitamin-C-Gehalts können die Blätter
als Salat verwendet werden.

Lavastein-Formation

Hier ist im Barranco ein Geländesprung, unter dem früher auch ein Ziegengatter war. Dort kann man den Barranco auf einer kürzeren Strecke und mit weniger Höhenunterschied durchqueren. Das Ziegengatter gibt es dort nicht mehr. Der große Regen im März hat vieles weggespült. 

Der kürzere Weg durch den Barranco

Pondranea - Rosa Trompetenwein
(ursprünglich in Südafrika beheimatet)

Am Weg oberhalb des Barrancos wurden Yucca-Palmen angepflanzt
(ursprünglich in Mexiko beheimatet)

Ricinius - ein Wolfsmilchgewächs
(ursprünglich in Nordafrika und im Nahen Osten beheimatet)

Auf der anderen Seite des Barrancos gehen wir ein kurzes Stück Richtung Küste und kommen dann wieder auf den bekannten Weg zur Bollullo-Bucht. Den gehen wir zurück, wieder vorbei an der Iglesia Nuestra Señora de la Paz, dem Hotel Rio Garoe und dem Jardin Botanico.